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	<title>GEG Archive - Kunst &amp; KI</title>
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	<description>Zwischen Inspiration und Irritation</description>
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	<title>GEG Archive - Kunst &amp; KI</title>
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		<title>Zwischen KI-Euphorie und Verwaltungsrealität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Oct 2025 11:12:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie der Ruf nach digitaler Effizienz an maroden Strukturen, Fachkräftemangel und ökologischen Widersprüchen scheitert: „Die künstliche Intelligenz wird die Papierberge in den Ämtern beseitigen und die Verwaltung effizienter machen“ – mit dieser Vision werben Politik und Industrie seit Monaten für den Einsatz von KI-Systemen im öffentlichen Sektor. SAP, Microsoft und OpenAI kündigten im Herbst 2025 [&#8230;]</p>
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<h5 class="wp-block-heading">Wie der Ruf nach digitaler Effizienz an maroden Strukturen, Fachkräftemangel und ökologischen Widersprüchen scheitert:</h5>



<p class="wp-block-paragraph">„Die künstliche Intelligenz wird die Papierberge in den Ämtern beseitigen und die Verwaltung effizienter machen“ – mit dieser Vision werben Politik und Industrie seit Monaten für den Einsatz von KI-Systemen im öffentlichen Sektor. SAP, Microsoft und OpenAI kündigten im Herbst 2025 eine „souveräne KI für Deutschland“ an, die Behörden künftig beim Verarbeiten von Dokumenten, bei Anträgen oder Bürgerkommunikation unterstützen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Realität in vielen Kommunal- und Landesverwaltungen sieht anders aus: marode IT-Infrastruktur, uneinheitliche Softwarelandschaften, Fachkräftemangel und organisatorische Überforderung prägen den Alltag. Zwischen Digitalversprechen und Verwaltungswirklichkeit klafft eine wachsende Lücke.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Politischer Druck: Digitalisierung bis 2026</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem <em>Onlinezugangsgesetz (OZG)</em> ist seit 2017 gesetzlich vorgeschrieben, dass Bund, Länder und Kommunen ihre Verwaltungsleistungen <strong>bis Ende 2026 digital anbieten</strong> müssen.<br>Die Bundesregierung bezeichnet diese Frist als „zentralen Baustein der Verwaltungsmodernisierung“. Doch laut einer Untersuchung des Nationalen Normenkontrollrats (NKR) sind <strong>weniger als 30 Prozent der Leistungen vollständig digital umgesetzt</strong> – und die meisten davon nur oberflächlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In zahlreichen Fachanalysen heißt es, die Verwaltung neige dazu, analoge Prozesse einfach zu digital verlängern, anstatt sie neu zu gestalten – so der Tenor mehrerer Studien. Digitalisierung werde häufig als technisches Projekt verstanden, nicht als <strong>organisatorische Transformation</strong>.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Strukturelle Realität: Chaos in Daten und Zuständigkeiten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Verwaltungen verfügen bis heute <strong>nicht über zentrale Datenmanagementsysteme</strong>. Informationen liegen verstreut in Netzlaufwerken, Excel-Listen oder PDF-Akten. Unterschiedliche Fachverfahren sind nicht kompatibel, Schnittstellen fehlen oder sind zu teuer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt: In vielen IT-Abteilungen arbeiten Quereinsteiger oder Beschäftigte mit geringer technischer Qualifikation – oft aufgrund von Personalmangel oder niedrigen Gehältern. Der <strong>Bundesrechnungshof</strong> kritisierte 2024, dass „IT-Projekte häufig an mangelnder Qualifikation der Projektverantwortlichen scheitern“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Fachleute des Fraunhofer-Instituts FOKUS weisen darauf hin, dass Digitalisierung bestehender Probleme diese nicht automatisch löst – so der Tenor der Diskussion. Oft werde Chaos lediglich digitalisiert, statt beseitigt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der sogenannte Fachkräftemangel – ein strukturelles Problem</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der öffentlichen Diskussion ist häufig vom „Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst“ die Rede. Doch der Begriff greift zu kurz – er verschleiert, dass der Engpass <strong>nicht durch fehlende Menschen</strong>, sondern durch <strong>fehlende Mittel, starre Strukturen und unattraktive Rahmenbedingungen</strong> entsteht.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Fehlende Mittel statt fehlender Menschen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Verwaltungen dürfen schlicht <strong>nicht einstellen</strong>, obwohl qualifizierte Bewerber vorhanden wären.<br>Haushaltssperren, Personalstopps und starre Stellenpläne verhindern Neueinstellungen selbst dann, wenn Bedarf besteht.<br>Der Mangel an Personal ist daher hausgemacht – er entsteht durch politische und finanzielle Restriktionen, nicht durch fehlende Fachleute.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Es geht um nicht weniger als die Frage, ob der öffentliche Sektor seine Kernaufgaben in Zukunft noch erfüllen kann“, sagte Volker Halsch, Senior Advisor bei PwC. <em>(Quelle: PwC, 2024)</em></p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Fehlende Attraktivität und Bezahlung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade in digitalen Berufen ist der Staat kein konkurrenzfähiger Arbeitgeber.<br>Tarifliche Einstufungen nach TVöD oder Landesbesoldungssystemen lassen wenig Spielraum, um Expertise marktgerecht zu vergüten.<br>Ein erfahrener IT-Architekt verdient in der Privatwirtschaft oft das Doppelte einer vergleichbaren Position in der Verwaltung.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Bei der Digitalisierung von Verwaltungen und Kommunen brauchen wir mehr Klarheit: Wer bestellt, zahlt – und stellt digital bereit. Der Bund muss die Möglichkeit erhalten, Städte, Gemeinden und Landkreise bei der Digitalisierung direkt zu unterstützen“, forderte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. <em>(Quelle: Bitkom, 2025)</em></p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Strukturelle und kulturelle Barrieren</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst wenn Fachkräfte gewonnen werden, bleiben sie häufig nicht lange. Fehlende Entwicklungsperspektiven, hierarchische Strukturen und mangelnde Entscheidungsfreiheit wirken abschreckend.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Wer die Verwaltung digitalisieren will, muss sie verstehen. Aber der Staat kann nicht voraussetzen, dass alle, die programmieren können, sich dauerhaft in veralteten Strukturen wohlfühlen“, so Morris Hültner, Projektleiter bei <em>Staatklar</em>. <em>(Quelle: staatklar.org, 2025)</em></p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der sogenannte Fachkräftemangel ist daher kein naturgegebenes Problem, sondern eine <strong>Folge politischer und struktureller Fehlsteuerung</strong>. Es mangelt nicht an Know-how, sondern an Freiräumen, Finanzierung und Wertschätzung.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Abhängigkeit von Technologiekonzernen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders problematisch ist die zunehmende <strong>Abhängigkeit öffentlicher Institutionen von großen Technologiekonzernen</strong>. Microsoft, SAP, Amazon und OpenAI dominieren den Markt – auch in der Verwaltung. Selbst vermeintlich „souveräne“ Lösungen basieren meist auf deren Cloud-Infrastrukturen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das widerspricht dem politischen Anspruch digitaler Eigenständigkeit. Zwar sollen Projekte wie „Sovereign Cloud Germany“ Datensouveränität sichern, doch die technologische Basis bleibt US-kontrolliert. Der <strong>CLOUD Act</strong> erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten amerikanischer Anbieter – auch, wenn diese in Deutschland gespeichert sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stiftung Neue Verantwortung warnt in diesem Zusammenhang vor einer „Privatisierung der digitalen Verwaltung“: Wenn zentrale Infrastrukturen und Daten in privaten Händen liegen, verliere der Staat seine digitale Souveränität – so der Tenor der Analyse.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Digitale Souveränität ist das digitalpolitische Buzzword der Stunde. Der Begriff ist Ausdruck der Sorge, dass die digitale Transformation die staatliche und individuelle Selbstbestimmung bedroht“, schreibt Julia Pohle in ihrer Analyse. <em>(Quelle: netzpolitik.org, 2021)</em></p>
</blockquote>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der ökologische Widerspruch</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während Bund und Länder mit Gesetzen wie dem <strong>Gebäudeenergiegesetz (GEG)</strong> oder der <strong>Klimaschutzverordnung</strong> Energieeinsparung und Nachhaltigkeit gesetzlich einfordern, ist die eingesetzte KI-Technologie selbst <strong>ein massiver Ressourcenverbraucher</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer Studie der <em>University of California (2023)</em> verbraucht eine einzelne ChatGPT-Abfrage im Schnitt rund <strong>500 ml Wasser</strong>, indirekt durch die Kühlung der Rechenzentren. Das Training großer Modelle wie GPT-4 benötigt <strong>mehr Strom als 1.000 Haushalte pro Jahr</strong>.<br>Der <em>Nature Climate Change Report (2024)</em> prognostiziert, dass KI-Systeme bis 2030 rund <strong>vier Prozent des weltweiten Strombedarfs</strong> verursachen könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kritiker sehen darin einen erheblichen Widerspruch: Eine Verwaltung, die CO₂-Bilanzen und Energieausweise fordert, nutzt gleichzeitig Technologien, deren ökologischer Fußabdruck kaum bilanziert oder transparent gemacht wird.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kommunikative Luftblasen statt realer Transformation</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Politisch ist die KI-Rhetorik attraktiv: Sie klingt modern, innovationsfreudig und lösungsorientiert. Doch solange grundlegende Strukturen – Datenarchitektur, Personalqualifikation, Zuständigkeiten und Finanzierung – nicht verändert werden, bleibt der Effekt oberflächlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fachleute warnen, dass KI keine schlechten Prozesse reparieren kann, sondern sie höchstens beschleunigt – so der Tenor in vielen Fachkreisen.<br>KI kann nur dort sinnvoll wirken, wo <strong>Prozesse klar definiert, digital anschlussfähig und organisatorisch verstanden</strong> sind.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fazit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vision einer intelligenten, papierlosen Verwaltung ist verführerisch – und grundsätzlich richtig. Doch sie kann nur Realität werden, wenn die politischen und organisatorischen Grundlagen stimmen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>einheitliche Datenstandards,</li>



<li>qualifiziertes Personal,</li>



<li>nachhaltige IT-Strategien,</li>



<li>und echte digitale Souveränität.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne das bleibt KI in der Verwaltung eine <strong>technologische Fassade über strukturellem Stillstand</strong> – ein Fortschritt, der sich fortschrittlich anhört, aber nicht nachhaltig trägt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Quellen &amp; weiterführende Literatur</strong></h3>



<ol class="wp-block-list">
<li>PwC Deutschland: <em>Digitalisierung der Landesverwaltung in Deutschland</em> (2023)</li>



<li>Bundesrechnungshof: <em>IT und Digitalisierung in der Bundesverwaltung</em> (2024)</li>



<li>Bitkom: <em>Kommunale Digitalisierung 2023</em></li>



<li>Fraunhofer FOKUS: <em>eGovernment Monitor 2022</em></li>



<li>Nature Climate Change (2024): <em>Energy and Water Costs of AI Systems</em></li>



<li>University of California (2023): <em>The Hidden Water Footprint of Large AI Models</em></li>



<li>Stiftung Neue Verantwortung (2024): <em>Digitale Souveränität im öffentlichen Sektor</em></li>



<li>netzpolitik.org (2021): <em>Digitale Souveränität. Das Ringen um Handlungs- und Entscheidungsfreiheit im Netz</em></li>



<li>staatklar.org (2025): <em>IT-Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst</em></li>



<li>Bitkom (2025): <em>Bund-Kommunen-Digitalisierung Pressemitteilung</em></li>



<li>PwC (2024): <em>Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor</em></li>
</ol>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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		<title>Zwischen Handwerkskunst und Maschinenlogik</title>
		<link>https://kunstundki.de/2025/09/07/zwischen-handwerkskunst-und-maschinenlogik/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Sep 2025 05:11:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Architekten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn Software zum Gesetz wird: Die unterschätzte Gefahr der Black-Box-Berechnungen im Bau- und Handwerkswesen: Ein Abend im Architekturbüro:Der Bildschirm leuchtet grell im Halbdunkel, draußen ist es längst Nacht. Auf dem Schreibtisch stapeln sich Baupläne, ein Kaffeebecher steht halb leer daneben. Der Architekt gibt die letzten Daten in die Energieberatungssoftware ein: Wandaufbauten, Fenstermaße, Dämmwerte, Heizungsdaten. Er [&#8230;]</p>
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<h5 class="wp-block-heading"><em>Wenn Software zum Gesetz wird: Die unterschätzte Gefahr der Black-Box-Berechnungen im Bau- und Handwerkswesen</em>:</h5>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Ein Abend im Architekturbüro:</em></strong><br>Der Bildschirm leuchtet grell im Halbdunkel, draußen ist es längst Nacht. Auf dem Schreibtisch stapeln sich Baupläne, ein Kaffeebecher steht halb leer daneben. Der Architekt gibt die letzten Daten in die Energieberatungssoftware ein: Wandaufbauten, Fenstermaße, Dämmwerte, Heizungsdaten. Er klickt auf „Berechnen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sekunden später erscheint das Ergebnis: <em>Heizlast 11,7 kW.</em><br>Die Zahl wirkt makellos, objektiv, fast unanfechtbar – drei Nachkommastellen, glatte Tabellen, bunte Diagramme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der Architekt spürt, dass etwas nicht stimmt. Zwei Jahrzehnte Erfahrung flüstern ihm ins Ohr: <em>Das ist zu hoch. Dieses Haus müsste eher bei acht kW liegen.</em> Früher hätte er noch eine schnelle Überschlagsrechnung gemacht. Heute geht das nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gesetz verlangt diese Software, verlangt diese Berechnung, verlangt dieses Ergebnis. Ein Bauchgefühl zählt nicht. Ein Widerspruch ist nicht vorgesehen. Der Architekt sitzt da, starrt auf die Ziffern – und merkt, dass er nicht mehr prüfender Fachmann ist, sondern nur noch das <strong>Eingabetool für eine Black-Box-Maschine</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Ein Vormittag auf der Baustelle:</em></strong><br>Ein Dachdecker dokumentiert per Tablet die Sanierung eines Altbaudachs. Das Programm zwingt ihn, jede einzelne Dachfläche in exakte Kategorien zu zerlegen: „DN 45°, Ziegeltyp B, Sparrenmaß XY“. Er will eigentlich nur festhalten: <em>„Ostseite, 3 m² Ziegel ersetzen, Schadensursache Frost.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das lässt die Software nicht zu. Ohne Dropdown-Auswahl und zehn Pflichtfelder kann er den Auftrag nicht abschließen. Der Dachdecker schüttelt den Kopf. Seine Erfahrung, sein Blick für das Material, seine schnelle Einschätzung – alles wird in Formularlogik zerlegt. Statt Handwerker ist er Datenpfleger geworden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein gemeinsames Muster</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den ersten Blick könnten die beiden Beispiele nicht unterschiedlicher sein: hier der Architekt mit seinen komplexen Berechnungen, dort der Dachdecker mit seiner einfachen Schadensdokumentation. Doch beide eint ein Muster:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Software verlangt <strong>strikte Maschinenlogik</strong>.</li>



<li>Der Mensch wird auf die Rolle des <strong>Eingabefeld-Ausfüllers</strong> reduziert.</li>



<li>Erfahrungswissen, Intuition und situatives Denken werden nicht berücksichtigt – oder sogar verdrängt.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Ob am Schreibtisch oder auf der Baustelle: <strong>Die Technik nimmt nicht Rücksicht auf den Menschen – der Mensch muss sich der Technik beugen.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gefahr der Black-Box-Berechnungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Noch problematischer wird es, wenn hochkomplexe Software nicht nur Werkzeuge liefert, sondern selbst <strong>gesetzliche Verbindlichkeit</strong> erhält – etwa im Gebäudeenergiegesetz oder bei Statikprogrammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher konnte ein erfahrener Ingenieur eine Berechnung grob überschlagen und so Fehler erkennen. Heute sind die Modelle so komplex, dass selbst Fachleute die Ergebnisse kaum mehr auf Plausibilität prüfen können. Das führt zu mehreren Risiken:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Scheinpräzision</strong>: Zahlen wirken objektiv, auch wenn sie auf Annahmen oder fehlerhaften Eingaben beruhen.</li>



<li><strong>Abhängigkeit</strong>: Fachleute werden entmündigt, weil sie Ergebnisse nicht mehr überprüfen können.</li>



<li><strong>Systemische Gefahr</strong>: Wenn eine Software fehlerhaft ist, betrifft das nicht ein Projekt, sondern tausende – mit potenziell katastrophalen Folgen.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Ein gefährlicher Kulturbruch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gefahr liegt tiefer als in organisatorischen Reibungen. Wenn Handwerkerinnen und Handwerker das Gefühl haben, dass sie <strong>für die Maschine arbeiten</strong>, statt dass die Maschine ihnen dient, ist das ein psychologischer Bruch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Handwerk lebt von <strong>Stolz und Sinn</strong>: etwas Eigenes schaffen, ein Stück Identität hinterlassen. Wenn KI-Systeme nur funktionieren, indem sie diesen Sinn entwerten, dann verlieren wir nicht nur Datenqualität – wir verlieren das Fundament der Handwerkskultur.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wege aus der Sackgasse</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt Alternativen. KI muss so gestaltet werden, dass sie <strong>den Menschen unterstützt, nicht ersetzt oder umerzieht</strong>:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Natürliche Schnittstellen</strong>: Spracheingabe, Bilddokumentation, Skizzen – die KI übersetzt das in maschinenlesbare Daten.</li>



<li><strong>Human-in-the-Loop</strong>: KI macht Vorschläge, der Mensch bestätigt. So bleibt das Erfahrungswissen maßgeblich.</li>



<li><strong>Datenbereinigung im Hintergrund</strong>: Systeme, die unstrukturierte menschliche Daten automatisch aufbereiten, statt umgekehrt.</li>



<li><strong>Plausibilitäts-Checks</strong>: Software muss Ergebnisse so darstellen, dass Fachleute sie überschlägig prüfen können.</li>



<li><strong>Wertschätzung</strong>: KI darf nicht nur Normen und Standards durchsetzen, sondern muss das individuelle Wissen sichtbar machen.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">KI kann das Handwerk bereichern – wenn sie als Werkzeug gedacht wird, nicht als Zwangssystem. Der Erfolg hängt nicht nur von Algorithmen und Datenqualität ab, sondern auch von einer tiefen kulturellen Frage: <strong>Dient die Technik dem Menschen, oder der Mensch der Technik?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir Handwerkskunst bewahren wollen, dann darf der Mensch niemals zum bloßen Eingabetool für Maschinenlogik degradiert werden. Und wenn wir Gesetze und Normen digitalisieren, dann dürfen wir niemals die Möglichkeit verlieren, Ergebnisse kritisch und überschlägig zu prüfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn nur dort, wo <strong>Erfahrung und Technik im Dialog</strong> bleiben, kann Handwerkskunst auch im digitalen Zeitalter bestehen.</p>



<div style="height:3.5em" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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