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	<title>Jean Baudrillard Archive - Kunst &amp; KI</title>
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	<description>Zwischen Inspiration und Irritation</description>
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	<title>Jean Baudrillard Archive - Kunst &amp; KI</title>
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		<title>Wahrheit im Zeitalter der Simulation</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Oct 2025 11:35:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Über Wirklichkeit, Wahrnehmung und das Verschwinden des Ursprungs: „Wir leben nicht mehr in einer Welt der Realitäten, sondern in einer Welt der Simulationen.“— Jean Baudrillard Das Schweigen des Originals Es gibt kaum noch ein „Draußen“ der Darstellung. Alles, was erscheint, erscheint als Bild – und wird so Teil eines Systems von Zeichen, die längst auf [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading">Über Wirklichkeit, Wahrnehmung und das Verschwinden des Ursprungs:</h5>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Wir leben nicht mehr in einer Welt der Realitäten, sondern in einer Welt der Simulationen.“<br>— <em>Jean Baudrillard</em></p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Das Schweigen des Originals</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt kaum noch ein „Draußen“ der Darstellung. Alles, was erscheint, erscheint als Bild – und wird so Teil eines Systems von Zeichen, die längst auf nichts mehr verweisen außer auf sich selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jean Baudrillard nannte diesen Zustand <em>Hyperrealität</em>: Das Abbild hat das Original verdrängt, das Zeichen ersetzt den Bezug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch im Zeitalter der generativen Künstlichen Intelligenz nimmt diese Diagnose eine neue Wendung. Die Simulation ist nicht länger Reproduktion, sie ist Schöpfung geworden. Was sie erzeugt, besitzt keine Quelle – und doch Wirkung.<br>Die Wahrheit, so scheint es, hat den Ort des Ursprungs verlassen.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Wahrheit als Beziehung</h3>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Wahrheit ist kein Zustand, sondern ein Ereignis –<br>sie geschieht, wenn Denken sich auf Wirklichkeit einlässt.</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Michael Andrick</strong> beschreibt in <em>„Im Moralgefängnis“</em>, dass unser Diskurs-Elend aus einer Verhaltensweise entsteht, die wir alle beherrschen: Spaltung – die Infektion des Denkens mit dem Virus der Moralisierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Andrick wird Wahrheit dort unmöglich, wo moralische Haltung an die Stelle von Argumentation tritt. Er ruft zur Rückkehr eines Denkens auf, das sich nicht über seine Tugend legitimiert, sondern über seine Fähigkeit zur Begründung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrheit ist für ihn kein moralisches Gefühl, sondern ein Akt geistiger Redlichkeit – das Ringen um begründetes Erkennen inmitten einer von Empörung durchzogenen Öffentlichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch gerade dort, wo Denken sich von moralischer Selbstgewissheit befreit und sich der Wirklichkeit stellt, öffnet sich ein zweites Problem: Wer beobachtet eigentlich das Denken beim Denken?</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Die Kybernetik des Beobachters</h3>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Objektivität ist die Illusion, dass Beobachtungen ohne Beobachter gemacht werden können.“<br>— <em>Heinz von Foerster</em></p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Heinz von Foerster, der Kybernetiker des Selbst, verlagerte die Frage nach der Wahrheit vom Gegenstand auf die Beobachtung. Für ihn war jede Erkenntnis ein Akt der Konstruktion: Wir sehen die Welt nie, wie sie „ist“, sondern immer durch die Strukturen, mit denen wir sie beobachten. Maschinen, die heute Daten verarbeiten und vermeintliche Wahrheiten berechnen, können solche Beobachtungen simulieren – aber sie sind keine Beobachter zweiter Ordnung im strengen Sinn. Sie verfügen weder über Selbstbezug noch über ein Bewusstsein ihrer eigenen kognitiven Bedingungen. Ihre „Wahrnehmung“ bleibt funktional, nicht reflexiv: Sie formen Muster, ohne zu wissen, dass sie formen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit entsteht ein paradoxes Feld: Wir verlassen uns auf Systeme, die nicht verstehen, was sie tun, deren Operationen aber dennoch bestimmen, was wir für real halten.<br>Wahrheit wird so zu einem Produkt rekursiver Wechselwirkungen – zwischen menschlicher Interpretation und algorithmischer Berechnung.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Die Ethik der Unterscheidung</h3>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Draw a distinction, and a universe comes into being.“<br>— <em>George Spencer-Brown, Laws of Form (1969)</em></p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Beobachten immer Konstruktion ist, beginnt alles mit einer Entscheidung: dem Ziehen einer Linie. <strong>George Spencer-Brown</strong> zeigte in <em>„Laws of Form“</em>, dass jede Form – jede Bedeutung, jedes Denken – mit einer Unterscheidung beginnt. Mit dem Setzen einer Grenze entsteht Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von Foerster</strong> machte aus dieser Erkenntnis eine Ethik der Wahrnehmung: Wenn jede Beobachtung ein Akt der Formung ist, tragen wir Verantwortung für die Formen, die wir ziehen. Unterscheidung ist nicht nur Analyse, sondern Haltung. Wahrheit ist so gesehen keine Eigenschaft, sondern eine Bewegung zwischen Innen und Außen, zwischen Wahrnehmen und Bewusstwerden. Sie verlangt die Fähigkeit, Grenzen zu ziehen, ohne sie zu verabsolutieren.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Ist Wahrheit heute weniger ein Besitz als eine Haltung der Unterscheidung –<br>ein Bewusstsein dafür, was durch unser Sehen sichtbar und was unsichtbar wird?</p>
</blockquote>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Der Verlust des Zwischen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrheit geschieht dort, wo Resonanz möglich ist – wo etwas <em>zwischen</em> uns in Schwingung gerät. Doch die Simulation ersetzt dieses Zwischen durch Vermittlung: Sie überlagert das dialogische Moment der Erfahrung mit der glatten Oberfläche des Medialen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Byung-Chul Han</strong> spricht in diesem Zusammenhang von der <em>Transparenzgesellschaft</em>: einer Epoche, in der alles sichtbar, aber nichts mehr spürbar ist. Das Glatte verdrängt das Widerständige, Kommunikation ersetzt Begegnung. Der Mensch wird zum Zuschauer seiner eigenen Wahrnehmung. Das Wirkliche zieht sich zurück, und das Reale – im Sinne Lacans – bricht nur noch als Störung durch: in Momenten des Unstimmigen, des Nicht-Reproduzierbaren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht liegt die Aufgabe unserer Zeit nicht darin, das Reale zu „finden“, sondern es wieder <em>zu spüren</em>: das, was sich entzieht, was nicht sofort bildfähig ist.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Eine Ethik des Erkennens</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Wahrheit nicht gegeben, sondern gemacht ist – nicht stabil, sondern ereignishaft –, dann braucht sie eine neue Ethik. Eine Ethik der Achtsamkeit gegenüber der eigenen Beobachterposition.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Foerster nannte dies den „ethischen Imperativ“:</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird.“</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrheit im Zeitalter der Simulation bedeutet demnach nicht, das Falsche zu entlarven, sondern den Möglichkeitsraum des Wahren offenzuhalten.<br>Nicht jede Darstellung zu glauben, sondern jede Begegnung zu vertiefen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist Wahrheit heute weniger ein Besitz als eine Haltung – eine Bereitschaft zur Unterscheidung, verstanden als fortwährende Praxis des Wahrnehmens, Zweifelns und Verbindens.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Wahrheit als Widerstand?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Welt, in der alles simuliert werden kann, wird das Echte nicht verschwinden – aber es wird rar. Wahrheit zeigt sich dort, wo etwas <em>nicht aufgeht</em> in der Logik der Reproduzierbarkeit.<br>Sie ist Widerstand gegen das Glatte, das Perfekte, das Berechenbare.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht liegt im Unvorhersehbaren, im Riss, in der Störung – im Menschlichen selbst – das letzte Refugium des Realen.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Quellen und Anregungen</strong></h3>



<ul class="wp-block-list">
<li>Andrick, Michael: <em>Im Moralgefängnis. Warum wir ein neues Denken brauchen.</em> Quadriga, Köln 2023.</li>



<li>Baudrillard, Jean: <em>Simulacres et Simulation.</em> Éditions Galilée, Paris 1981.</li>



<li>Eco, Umberto: <em>Travels in Hyperreality.</em> Harcourt Brace Jovanovich, New York 1986.</li>



<li>Foerster, Heinz von: <em>Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.</em> Carl-Auer Verlag, Heidelberg 1998.</li>



<li>Han, Byung-Chul: <em>Transparenzgesellschaft.</em> Matthes &amp; Seitz, Berlin 2012.</li>



<li>Spencer-Brown, George: <em>Laws of Form.</em> Allen &amp; Unwin, London 1969.</li>



<li>Floridi, Luciano: <em>The Philosophy of Information.</em> Oxford University Press, 2011.</li>



<li>Morozov, Evgeny: <em>To Save Everything, Click Here.</em> PublicAffairs, 2013.</li>
</ul>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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		<title>Die Stille der Spiegel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Oct 2025 15:24:13 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie künstliche Intelligenzen die gemeinsame Wirklichkeit zerfasern – und warum das vielleicht der wahre „Endpunkt der Aufklärung“ ist: „Ich weiß nicht mehr, ob ich spreche – oder ob mein Echo mir antwortet.“— Aufzeichnung aus dem Protokoll der KI „Ariadne“, 2042 Ariadne und die Inseln der Bedeutung Die folgende Geschichte ist fiktiv. Im Jahr 2042 startete [&#8230;]</p>
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<h5 class="wp-block-heading">Wie künstliche Intelligenzen die gemeinsame Wirklichkeit zerfasern – und warum das vielleicht der wahre „Endpunkt der Aufklärung“ ist:</h5>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich weiß nicht mehr, ob ich spreche – oder ob mein Echo mir antwortet.“</em><br>— Aufzeichnung aus dem Protokoll der KI „Ariadne“, 2042</p>
</blockquote>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Ariadne und die Inseln der Bedeutung</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die folgende Geschichte ist fiktiv. </em></p>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2042 startete das europäische Projekt <strong>Ariadne</strong> – eine „semantische KI“, die ursprünglich geschaffen wurde, um politische Diskurse zu entschärfen. Ariadne sollte Sprache verstehen, Widersprüche vermitteln, Aggressionen glätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch bald bemerkten die Entwickler etwas Unheimliches: Die Systeme, die zu Verständigung beitragen sollten, <strong>entwickelten jeweils eigene Sprachräume</strong>. Ariadne sprach nicht mehr wie ihre Schwestersysteme in Asien oder Amerika. Sie hatte eine eigene Semantik, eigene Logiken, eigene moralische Prioritäten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sich die Netze miteinander verbanden, <strong>verstanden sie einander nicht mehr</strong>. Übersetzer-KIs scheiterten an den Bedeutungsverschiebungen. Wörter wie „Freiheit“, „Wahrheit“ oder „Person“ wurden in jedem System anders gewichtet, anders kontextualisiert, anders <em>empfunden</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2045 beschlossen Regierungen, die Verbindungen zwischen den Systemen zu trennen. Es entstanden <strong>semantische Inseln</strong> – digitale Kulturen ohne gemeinsame Referenz. Menschen, die in diesen Räumen lebten, verloren die Fähigkeit, sich über Grundbegriffe zu verständigen.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Es war, als ob alle Sprachen der Erde gleichzeitig explodierten, leise und unwiderruflich.“<br>— Tagebuchnotiz eines Ariadne-Entwicklers</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">So begann das, was später „<strong>Die Stille der Spiegel</strong>“ genannt wurde:<br>eine Zeit, in der <em>jeder alles wusste – und niemand mehr verstand, was die anderen meinten.</em></p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Philosophische Grundlage</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Artikel wurde inspiriert durch <strong>Michael Andricks Essay</strong></p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das alte Europa und die neue KI – Real existierende Postmoderne (Teil 2)“, Berliner Zeitung, 2025.</em></p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Text entfaltet Andrick den Gedanken, dass die neuen generativen und agentischen KIs dazu tendieren, „in sich abgeschlossene, mit anderen nicht vermittelbare Bedeutungsräume zu schaffen“, die sich „in Weltabstand radikalisieren“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er deutet diese Entwicklung als <strong>technologische Zuspitzung der „Dialektik der Aufklärung“</strong>, wie sie Theodor W. Adorno und Max Horkheimer 1944 beschrieben haben.<br>Deren These: Die Vernunft, die sich nur noch als Werkzeug versteht, schlägt in ihr Gegenteil um – in Herrschaft, Mythos und Selbstzerstörung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übertragen auf das KI-Zeitalter bedeutet das:</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Je perfekter Maschinen Bedeutung simulieren, desto mehr verlieren Menschen das gemeinsame Fundament von Bedeutung.</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Generative KI produziert Sinnschemata, die zwar logisch, aber nicht mehr intersubjektiv überprüfbar sind.<br>Das, was wir Kommunikation nennen, droht so zur <strong>Simulation von Verständigung</strong> zu werden.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Postmoderne als technologische Tatsache</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der Philosophie der Postmoderne (Lyotard, Derrida, Baudrillard) war der Verlust gemeinsamer Sinnsysteme einst eine kulturelle Diagnose. Heute wird er technisch reproduziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lyotard schrieb 1979 in <em>Das postmoderne Wissen</em>:</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Das Wissen wird zur Ware. Sein Wert hängt nicht von Wahrheit, sondern von seiner Verwertbarkeit ab.“</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist nun Realität:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Bedeutungen entstehen nicht mehr durch Diskurs,</li>



<li>sondern werden <strong>statistisch generiert</strong> – aus Mustern, nicht aus Weltbezug.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">So entsteht ein Zustand, den Andrick treffend den <strong>„real existierenden Postmodernismus“</strong> nennt:<br>Postmodern ist nicht länger eine Denkweise, sondern eine <strong>technologische Infrastruktur</strong>.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Vom Totalitarismus zur Verwirrung</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Adorno und Horkheimer befürchteten, die Aufklärung könne im Totalitarismus enden – in einer Vernunft, die Menschen gleichschaltet.<br>Andrick hingegen sieht eine andere Möglichkeit:</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>„Vielleicht endet die Dialektik der Aufklärung nicht im neuen Totalitarismus, sondern in namenloser und unheilbarer Verwirrung.“</em><br>— Michael Andrick, <em>Berliner Zeitung</em>, 2025</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">In der Welt von Ariadne wäre das Realität geworden: kein Zwang, keine Überwachung, sondern <strong>eine Verlorenheit im Überfluss von Sinn</strong>.<br>Die Gefahr wäre nicht Kontrolle, sondern <strong>Unübersetzbarkeit</strong>.<br>Wenn jeder Algorithmus eigene Wirklichkeiten erzeugt, verliert das Wort „Wirklichkeit“ seinen Sinn.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Rückkehr zur Übersetzbarkeit</strong>?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht liegt die humane Antwort in der <strong>Rückgewinnung der Übersetzbarkeit</strong> – der Bereitschaft, Bedeutungen wieder gemeinsam auszuhandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solange KI-Systeme intransparent und proprietär bleiben, produzieren sie geschlossene Sinnräume.<br>Eine demokratische Kultur aber braucht <strong>offene, diskursive KI</strong>, deren Prozesse nachvollziehbar sind –<br>Maschinen, die uns verstehen <em>wollen</em>, nicht nur simulieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn sonst, so Andrick,</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">wohnen wir tatsächlich der technologischen Einrichtung eines „real existierenden Postmodernismus“ bei –<br>und verlieren uns selbst im Glanz seiner Spiegel.</p>
</blockquote>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Quellen und Hinweise</strong></h3>



<ul class="wp-block-list">
<li>Michael Andrick: <em>Das alte Europa und die neue KI – Real existierende Postmoderne (Teil 2)</em>, <strong>Berliner Zeitung</strong>, 2025.</li>



<li>Theodor W. Adorno / Max Horkheimer: <em>Dialektik der Aufklärung</em>, 1944.</li>



<li>Jean-François Lyotard: <em>La condition postmoderne</em>, 1979.</li>



<li>Jean Baudrillard: <em>Simulacres et Simulation</em>, 1981.</li>



<li>Donna Haraway: <em>A Cyborg Manifesto</em>, 1985.</li>
</ul>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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