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	<title>Onlinezugangsgesetz Archive - Kunst &amp; KI</title>
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		<title>Zwischen KI-Euphorie und Verwaltungsrealität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Oct 2025 11:12:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie der Ruf nach digitaler Effizienz an maroden Strukturen, Fachkräftemangel und ökologischen Widersprüchen scheitert: „Die künstliche Intelligenz wird die Papierberge in den Ämtern beseitigen und die Verwaltung effizienter machen“ – mit dieser Vision werben Politik und Industrie seit Monaten für den Einsatz von KI-Systemen im öffentlichen Sektor. SAP, Microsoft und OpenAI kündigten im Herbst 2025 [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading">Wie der Ruf nach digitaler Effizienz an maroden Strukturen, Fachkräftemangel und ökologischen Widersprüchen scheitert:</h5>



<p class="wp-block-paragraph">„Die künstliche Intelligenz wird die Papierberge in den Ämtern beseitigen und die Verwaltung effizienter machen“ – mit dieser Vision werben Politik und Industrie seit Monaten für den Einsatz von KI-Systemen im öffentlichen Sektor. SAP, Microsoft und OpenAI kündigten im Herbst 2025 eine „souveräne KI für Deutschland“ an, die Behörden künftig beim Verarbeiten von Dokumenten, bei Anträgen oder Bürgerkommunikation unterstützen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Realität in vielen Kommunal- und Landesverwaltungen sieht anders aus: marode IT-Infrastruktur, uneinheitliche Softwarelandschaften, Fachkräftemangel und organisatorische Überforderung prägen den Alltag. Zwischen Digitalversprechen und Verwaltungswirklichkeit klafft eine wachsende Lücke.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Politischer Druck: Digitalisierung bis 2026</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem <em>Onlinezugangsgesetz (OZG)</em> ist seit 2017 gesetzlich vorgeschrieben, dass Bund, Länder und Kommunen ihre Verwaltungsleistungen <strong>bis Ende 2026 digital anbieten</strong> müssen.<br>Die Bundesregierung bezeichnet diese Frist als „zentralen Baustein der Verwaltungsmodernisierung“. Doch laut einer Untersuchung des Nationalen Normenkontrollrats (NKR) sind <strong>weniger als 30 Prozent der Leistungen vollständig digital umgesetzt</strong> – und die meisten davon nur oberflächlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In zahlreichen Fachanalysen heißt es, die Verwaltung neige dazu, analoge Prozesse einfach zu digital verlängern, anstatt sie neu zu gestalten – so der Tenor mehrerer Studien. Digitalisierung werde häufig als technisches Projekt verstanden, nicht als <strong>organisatorische Transformation</strong>.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Strukturelle Realität: Chaos in Daten und Zuständigkeiten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Verwaltungen verfügen bis heute <strong>nicht über zentrale Datenmanagementsysteme</strong>. Informationen liegen verstreut in Netzlaufwerken, Excel-Listen oder PDF-Akten. Unterschiedliche Fachverfahren sind nicht kompatibel, Schnittstellen fehlen oder sind zu teuer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt: In vielen IT-Abteilungen arbeiten Quereinsteiger oder Beschäftigte mit geringer technischer Qualifikation – oft aufgrund von Personalmangel oder niedrigen Gehältern. Der <strong>Bundesrechnungshof</strong> kritisierte 2024, dass „IT-Projekte häufig an mangelnder Qualifikation der Projektverantwortlichen scheitern“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Fachleute des Fraunhofer-Instituts FOKUS weisen darauf hin, dass Digitalisierung bestehender Probleme diese nicht automatisch löst – so der Tenor der Diskussion. Oft werde Chaos lediglich digitalisiert, statt beseitigt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der sogenannte Fachkräftemangel – ein strukturelles Problem</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der öffentlichen Diskussion ist häufig vom „Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst“ die Rede. Doch der Begriff greift zu kurz – er verschleiert, dass der Engpass <strong>nicht durch fehlende Menschen</strong>, sondern durch <strong>fehlende Mittel, starre Strukturen und unattraktive Rahmenbedingungen</strong> entsteht.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Fehlende Mittel statt fehlender Menschen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Verwaltungen dürfen schlicht <strong>nicht einstellen</strong>, obwohl qualifizierte Bewerber vorhanden wären.<br>Haushaltssperren, Personalstopps und starre Stellenpläne verhindern Neueinstellungen selbst dann, wenn Bedarf besteht.<br>Der Mangel an Personal ist daher hausgemacht – er entsteht durch politische und finanzielle Restriktionen, nicht durch fehlende Fachleute.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Es geht um nicht weniger als die Frage, ob der öffentliche Sektor seine Kernaufgaben in Zukunft noch erfüllen kann“, sagte Volker Halsch, Senior Advisor bei PwC. <em>(Quelle: PwC, 2024)</em></p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Fehlende Attraktivität und Bezahlung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade in digitalen Berufen ist der Staat kein konkurrenzfähiger Arbeitgeber.<br>Tarifliche Einstufungen nach TVöD oder Landesbesoldungssystemen lassen wenig Spielraum, um Expertise marktgerecht zu vergüten.<br>Ein erfahrener IT-Architekt verdient in der Privatwirtschaft oft das Doppelte einer vergleichbaren Position in der Verwaltung.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Bei der Digitalisierung von Verwaltungen und Kommunen brauchen wir mehr Klarheit: Wer bestellt, zahlt – und stellt digital bereit. Der Bund muss die Möglichkeit erhalten, Städte, Gemeinden und Landkreise bei der Digitalisierung direkt zu unterstützen“, forderte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. <em>(Quelle: Bitkom, 2025)</em></p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Strukturelle und kulturelle Barrieren</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst wenn Fachkräfte gewonnen werden, bleiben sie häufig nicht lange. Fehlende Entwicklungsperspektiven, hierarchische Strukturen und mangelnde Entscheidungsfreiheit wirken abschreckend.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Wer die Verwaltung digitalisieren will, muss sie verstehen. Aber der Staat kann nicht voraussetzen, dass alle, die programmieren können, sich dauerhaft in veralteten Strukturen wohlfühlen“, so Morris Hültner, Projektleiter bei <em>Staatklar</em>. <em>(Quelle: staatklar.org, 2025)</em></p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der sogenannte Fachkräftemangel ist daher kein naturgegebenes Problem, sondern eine <strong>Folge politischer und struktureller Fehlsteuerung</strong>. Es mangelt nicht an Know-how, sondern an Freiräumen, Finanzierung und Wertschätzung.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Abhängigkeit von Technologiekonzernen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders problematisch ist die zunehmende <strong>Abhängigkeit öffentlicher Institutionen von großen Technologiekonzernen</strong>. Microsoft, SAP, Amazon und OpenAI dominieren den Markt – auch in der Verwaltung. Selbst vermeintlich „souveräne“ Lösungen basieren meist auf deren Cloud-Infrastrukturen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das widerspricht dem politischen Anspruch digitaler Eigenständigkeit. Zwar sollen Projekte wie „Sovereign Cloud Germany“ Datensouveränität sichern, doch die technologische Basis bleibt US-kontrolliert. Der <strong>CLOUD Act</strong> erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten amerikanischer Anbieter – auch, wenn diese in Deutschland gespeichert sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stiftung Neue Verantwortung warnt in diesem Zusammenhang vor einer „Privatisierung der digitalen Verwaltung“: Wenn zentrale Infrastrukturen und Daten in privaten Händen liegen, verliere der Staat seine digitale Souveränität – so der Tenor der Analyse.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Digitale Souveränität ist das digitalpolitische Buzzword der Stunde. Der Begriff ist Ausdruck der Sorge, dass die digitale Transformation die staatliche und individuelle Selbstbestimmung bedroht“, schreibt Julia Pohle in ihrer Analyse. <em>(Quelle: netzpolitik.org, 2021)</em></p>
</blockquote>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der ökologische Widerspruch</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während Bund und Länder mit Gesetzen wie dem <strong>Gebäudeenergiegesetz (GEG)</strong> oder der <strong>Klimaschutzverordnung</strong> Energieeinsparung und Nachhaltigkeit gesetzlich einfordern, ist die eingesetzte KI-Technologie selbst <strong>ein massiver Ressourcenverbraucher</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer Studie der <em>University of California (2023)</em> verbraucht eine einzelne ChatGPT-Abfrage im Schnitt rund <strong>500 ml Wasser</strong>, indirekt durch die Kühlung der Rechenzentren. Das Training großer Modelle wie GPT-4 benötigt <strong>mehr Strom als 1.000 Haushalte pro Jahr</strong>.<br>Der <em>Nature Climate Change Report (2024)</em> prognostiziert, dass KI-Systeme bis 2030 rund <strong>vier Prozent des weltweiten Strombedarfs</strong> verursachen könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kritiker sehen darin einen erheblichen Widerspruch: Eine Verwaltung, die CO₂-Bilanzen und Energieausweise fordert, nutzt gleichzeitig Technologien, deren ökologischer Fußabdruck kaum bilanziert oder transparent gemacht wird.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kommunikative Luftblasen statt realer Transformation</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Politisch ist die KI-Rhetorik attraktiv: Sie klingt modern, innovationsfreudig und lösungsorientiert. Doch solange grundlegende Strukturen – Datenarchitektur, Personalqualifikation, Zuständigkeiten und Finanzierung – nicht verändert werden, bleibt der Effekt oberflächlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fachleute warnen, dass KI keine schlechten Prozesse reparieren kann, sondern sie höchstens beschleunigt – so der Tenor in vielen Fachkreisen.<br>KI kann nur dort sinnvoll wirken, wo <strong>Prozesse klar definiert, digital anschlussfähig und organisatorisch verstanden</strong> sind.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fazit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vision einer intelligenten, papierlosen Verwaltung ist verführerisch – und grundsätzlich richtig. Doch sie kann nur Realität werden, wenn die politischen und organisatorischen Grundlagen stimmen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>einheitliche Datenstandards,</li>



<li>qualifiziertes Personal,</li>



<li>nachhaltige IT-Strategien,</li>



<li>und echte digitale Souveränität.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne das bleibt KI in der Verwaltung eine <strong>technologische Fassade über strukturellem Stillstand</strong> – ein Fortschritt, der sich fortschrittlich anhört, aber nicht nachhaltig trägt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Quellen &amp; weiterführende Literatur</strong></h3>



<ol class="wp-block-list">
<li>PwC Deutschland: <em>Digitalisierung der Landesverwaltung in Deutschland</em> (2023)</li>



<li>Bundesrechnungshof: <em>IT und Digitalisierung in der Bundesverwaltung</em> (2024)</li>



<li>Bitkom: <em>Kommunale Digitalisierung 2023</em></li>



<li>Fraunhofer FOKUS: <em>eGovernment Monitor 2022</em></li>



<li>Nature Climate Change (2024): <em>Energy and Water Costs of AI Systems</em></li>



<li>University of California (2023): <em>The Hidden Water Footprint of Large AI Models</em></li>



<li>Stiftung Neue Verantwortung (2024): <em>Digitale Souveränität im öffentlichen Sektor</em></li>



<li>netzpolitik.org (2021): <em>Digitale Souveränität. Das Ringen um Handlungs- und Entscheidungsfreiheit im Netz</em></li>



<li>staatklar.org (2025): <em>IT-Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst</em></li>



<li>Bitkom (2025): <em>Bund-Kommunen-Digitalisierung Pressemitteilung</em></li>



<li>PwC (2024): <em>Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor</em></li>
</ol>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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			</item>
		<item>
		<title>App-gehängt: Die stille Kybernetisierung der Gesellschaft</title>
		<link>https://kunstundki.de/2025/10/12/app-gehaengt-die-stille-kybernetisierung-der-gesellschaft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Oct 2025 08:16:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[analoge Teilhabe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum Deutschland und Europa ein Recht auf analoge Teilhabe brauchen – für Selbstbestimmung, Demokratie und Würde: Die Digitalisierung schreitet voran – Verwaltung, Verkehr, Gesundheit, Bildung, Kultur: alles wird „smart“. Doch je digitaler die Welt wird, desto stärker wächst auch die Zahl der Menschen, die sich bewusst oder gezwungenermaßen entziehen. Sie sind nicht „technikfeindlich“, sondern verteidigen [&#8230;]</p>
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<h5 class="wp-block-heading">Warum Deutschland und Europa ein Recht auf analoge Teilhabe brauchen – für Selbstbestimmung, Demokratie und Würde:</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die Digitalisierung schreitet voran – Verwaltung, Verkehr, Gesundheit, Bildung, Kultur: alles wird „smart“. Doch je digitaler die Welt wird, desto stärker wächst auch die Zahl der Menschen, die sich <strong>bewusst oder gezwungenermaßen entziehen</strong>. Sie sind nicht „technikfeindlich“, sondern verteidigen etwas, das zunehmend bedroht scheint: das Recht, <strong>analog zu leben</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele von ihnen fühlen sich inzwischen „app-gehängt“ – ein treffendes Wortspiel für eine Gesellschaft, die digitale Teilhabe zur Pflicht erhebt und analoge Alternativen abbaut.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Deutschland: Vom Digitalversprechen zum Digitalzwang</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Deutschland hat sich die digitale Verwaltung auf die Fahnen geschrieben. Das <strong>Onlinezugangsgesetz (OZG)</strong> verpflichtet Bund und Länder, Verwaltungsleistungen digital anzubieten. Was positiv klingt, entwickelt sich vielerorts zu einer <strong>Einbahnstraße</strong>: immer öfter nur noch online, immer seltener persönlich, telefonisch oder schriftlich.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Datenschutzexperte <strong>Thilo Weichert</strong> warnt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Digital only kann diskriminierend, undemokratisch und unsozial sein.“<br>(taz, 2024)</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Denn ausgeschlossen sind nicht nur Menschen ohne Geld, sondern auch jene, die <strong>Digitales aus Überzeugung meiden</strong>:<br>Menschen, die Datenschutzrisiken fürchten, ältere Bürger:innen, die analoge Kommunikation schätzen, Menschen mit sensorischen Einschränkungen oder psychischen Belastungen, Eltern, die ihre Kinder nicht früh digitalisieren wollen, oder einfach Menschen, die lieber mit einem Menschen sprechen als mit einem Chatbot.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Leena Simon, Netzphilosophin und Mitautorin des Gutachtens <em>„Ein Recht auf analoge Teilhabe – Freiheit vor Digitalzwang“</em>, bringt es auf den Punkt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Diese Menschen haben fast keine Wahl mehr. Terminvereinbarungen bei Behörden oder Fahrkartenkäufe ohne Smartphone sind erschwert oder teurer.“<br>(Deutschlandfunk Kultur, 2024)</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Schulen wächst der Druck. KI-gestütztes Lernen, Tablets, Cloud-Plattformen – alles scheinbar modern. Doch Kinder, die durch Tun und sinnliche Erfahrung lernen, verlieren Erfahrungsräume. Eltern, die dies kritisch sehen, finden kaum noch Alternativen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und während die Verwaltung digitalisiert wird, verschwinden <strong>analoge Bürgerbüros</strong>, <strong>Papierformulare</strong> und <strong>Bargeld-Zahlungen</strong>.<br>Diejenigen, die lieber analog bleiben, geraten in eine stille Form von Diskriminierung – <strong>nicht wegen mangelnder Anpassung, sondern wegen eines anderen Verständnisses von Selbstbestimmung</strong>.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Europa: Digitale Inklusion ohne analoge Freiheit</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der EU wächst die Sorge über die digitale Kluft – die <strong>„digital divide“</strong>.<br>Programme wie der <em>Digital Decade 2030</em> oder der <em>European Accessibility Act</em> wollen den Zugang zu Technologie erleichtern und Barrieren abbauen.<br>Doch was fast nirgends geregelt ist, ist das <strong>Recht auf Nicht-Digitalität</strong>: das Recht, sich Technologien zu entziehen, ohne gesellschaftliche Nachteile zu erleiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade in Frankreich wird heftig darüber gestritten:<br>Ein Bericht des <strong>Sénat (2025)</strong> kritisierte die „dématérialisation“ – die vollständige Digitalisierung staatlicher Verfahren – als „un nouveau mur administratif“. Menschen ohne digitale Kompetenzen oder Geräte würden effektiv von Grundrechten ausgeschlossen.<br>Der <strong>Défenseur des droits</strong> forderte daraufhin, analoge Alternativen gesetzlich zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den nordischen Ländern wiederum wurde erkannt, dass zu viel Digitalisierung die Gesellschaft verletzlich macht:<br>Schweden führte 2021 neue Pflichten für Banken ein, Bargelddienste in allen Regionen bereitzustellen – als Reaktion auf eine Phase, in der viele Geschäfte keine Barzahlung mehr akzeptierten.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Global: Digitale Souveränität versus digitaler Zwang</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Weltweit warnen Institutionen wie die <strong>UNESCO</strong>, <strong>UN-Menschenrechtsrat</strong> und <strong>UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK)</strong> vor digitaler Ausgrenzung.<br>Sie betonen: Zugang zu Informationen und staatlichen Leistungen muss <strong>menschenrechtskonform</strong> sein – also auch <strong>analog möglich</strong>, wenn digitale Systeme unzugänglich oder unzumutbar sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein bemerkenswertes Beispiel liefert <strong>Indien</strong>:<br>Das biometrische Identifikationssystem <em>Aadhaar</em> wurde vom Obersten Gericht 2018 nur unter der Bedingung zugelassen, dass niemand benachteiligt werden darf, der keinen digitalen Zugang hat. Ein klares Signal gegen digitalen Zwang.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Institutionen und NGOs im Einsatz</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Organisationen in Deutschland und Europa setzen sich inzwischen für ein Recht auf analoge Teilhabe ein:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Digitalcourage e. V.</strong> – kämpft für Datenschutz, Freiheitsrechte und gegen Digitalzwang.</li>



<li><strong>Netzwerk Datenschutzexpertise</strong> – erstellt juristische Gutachten zum Recht auf analogen Zugang.</li>



<li><strong>Der Paritätische Gesamtverband</strong> und <strong>Caritas</strong> – warnen vor sozialer Ausgrenzung durch rein digitale Verwaltungswege.</li>



<li><strong>Rosa-Luxemburg-Stiftung</strong> – betont, dass digitale Teilhabe soziale und demokratische Fragen berührt.</li>



<li><strong>European Disability Forum (EDF)</strong> – fordert EU-weit verbindliche Regeln, um Menschen mit Behinderung nicht von digitalen Prozessen auszuschließen.</li>



<li><strong>UNESCO / UNICEF</strong> – mahnen an, dass Digitalisierung Bildung nicht ersetzen darf, sondern ergänzen soll.</li>
</ul>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Nächste Schritte: Ein Plädoyer für Wahlfreiheit</strong></h3>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Gesetzliches Recht auf analoge Teilhabe</strong> in Verwaltung, Gesundheit, Verkehr und Bildung.</li>



<li><strong>Verpflichtende analoge Alternativen</strong> bei digitalen Pflichtdiensten.</li>



<li><strong>Partizipative Entscheidungsprozesse</strong>, in denen Bürger:innen mitgestalten, wie viel Digitalisierung sie wollen.</li>



<li><strong>EU-Initiative „Right to Remain Analog“</strong>, die Wahlfreiheit europaweit schützt.</li>



<li><strong>Kulturelle Neubewertung des Analogen</strong> – nicht als Rückschritt, sondern als Teil menschlicher Vielfalt.</li>
</ol>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Fazit: Das Analoge ist kein Relikt – es ist ein Freiheitsraum</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Digitalisierung ist kein Selbstzweck.<br>Wenn sie Teilhabe nur für jene ermöglicht, die digital bereit sind, dann ist sie kein Fortschritt, sondern eine neue Form der Ausgrenzung.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Freiheit bedeutet auch, Nein sagen zu können –<br>zu Technologien, die uns mehr beherrschen als befreien.“<br>– Leena Simon, Netzphilosophin</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Ein demokratischer Staat muss <strong>beides schützen</strong>:<br>das Recht auf digitale Teilhabe – <strong>und</strong> das Recht, analog zu bleiben.<br>Denn wer keine Wahl mehr hat, ist nicht modernisiert, sondern entmündigt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Quellen </strong></h3>



<ul class="wp-block-list">
<li>Netzwerk Datenschutzexpertise: <em>Ein Recht auf analoge Teilhabe – Freiheit vor Digitalzwang</em> (2024)</li>



<li>Digitalcourage e. V.: <em>Rechtsgutachten zum Digitalzwang</em> (2024)</li>



<li>Deutschlandfunk Kultur: <em>„Analog statt app-gehängt“</em> (Interview mit Leena Simon, 2024)</li>



<li>taz: <em>Leben ohne Smartphone und Computer</em> (Interview mit Thilo Weichert, 2024)</li>



<li>Bundestag: <em>WD-Gutachten zur Zulässigkeit digital-only-Verfahren</em> (2024)</li>



<li>Sénat (Frankreich): <em>Rapport sur la dématérialisation et l’exclusion administrative</em> (2025)</li>



<li>European Disability Forum: <em>Digital Accessibility and Inclusion Report</em> (2024)</li>



<li>UNESCO / UNICEF: <em>Reimagining Education in the Digital Age</em> (2023)</li>



<li>Oberster Gerichtshof Indien: <em>Aadhaar Judgement</em> (2018)</li>
</ul>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<iframe title="App-gehängt: Die stille Kybernetisierung der Gesellschaft" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/YijoFgPbbRc?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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