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	<title>Selbstbestimmung Archive - Kunst &amp; KI</title>
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	<description>Zwischen Inspiration und Irritation</description>
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	<title>Selbstbestimmung Archive - Kunst &amp; KI</title>
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	<item>
		<title>Wenn KI Pseudonyme enttarnt</title>
		<link>https://kunstundki.de/2026/03/06/wenn-ki-pseudonyme-enttarnt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 13:03:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie künstliche Intelligenz den Mythos der Internet-Anonymität entlarvt: Die Vorstellung, im Internet anonym zu sein, gehört zu den hartnäckigsten Mythen der digitalen Öffentlichkeit. Seit den frühen Tagen des Netzes gilt die Möglichkeit, unter Pseudonym zu kommunizieren, als Symbol für Freiheit und Selbstbestimmung im digitalen Raum. Millionen Menschen nutzen Foren, soziale Netzwerke oder Kommentarspalten unter Nicknames [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://kunstundki.de/2026/03/06/wenn-ki-pseudonyme-enttarnt/">Wenn KI Pseudonyme enttarnt</a> erschien zuerst auf <a href="https://kunstundki.de">Kunst &amp; KI</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading">Wie künstliche Intelligenz den Mythos der Internet-Anonymität entlarvt:</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorstellung, im Internet anonym zu sein, gehört zu den hartnäckigsten Mythen der digitalen Öffentlichkeit. Seit den frühen Tagen des Netzes gilt die Möglichkeit, unter Pseudonym zu kommunizieren, als Symbol für Freiheit und Selbstbestimmung im digitalen Raum. Millionen Menschen nutzen Foren, soziale Netzwerke oder Kommentarspalten unter Nicknames – oft in der Annahme, ihre reale Identität sei dadurch geschützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch genau diese Annahme gerät zunehmend ins Wanken. Eine aktuelle Studie von Forschern der ETH Zürich und des KI-Unternehmens Anthropic zeigt, dass moderne Sprachmodelle offenbar in der Lage sind, pseudonyme Onlineprofile mit realen Personen zu verknüpfen – allein auf Grundlage öffentlich zugänglicher Texte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studie trägt den Titel <em>Large-Scale Online Deanonymization with LLMs</em>. Darin untersuchen die Autoren, ob große Sprachmodelle digitale Spuren auswerten können, um reale Identitäten hinter Internetaccounts zu rekonstruieren. Bereits zu Beginn formulieren die Forscher ihr Ergebnis deutlich:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Wir zeigen, dass große Sprachmodelle genutzt werden können, um Deanonymisierung in großem Maßstab durchzuführen.“ (Simon Lermen et al., <em>Large-Scale Online Deanonymization with LLMs</em>, 2026)</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit zeigt damit vor allem eines: Die Idee, dass ein Pseudonym automatisch Schutz vor Identifikation bietet, war vermutlich schon lange trügerisch.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Pseudonymität ist nicht Anonymität</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein zentraler Punkt der Debatte wird oft übersehen. Die meisten Nutzer bewegen sich im Internet nicht anonym, sondern <strong>pseudonym</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Pseudonym bedeutet, dass eine Person unter einem festen digitalen Namen auftritt, der nicht ihrem realen Namen entspricht. Beiträge, Kommentare und Diskussionen bleiben jedoch dauerhaft miteinander verbunden. Über Jahre hinweg entsteht so eine konsistente digitale Identität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau diese Kontinuität macht spätere Analysen möglich. Die Autoren der Studie beschreiben den technischen Ansatz so:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Große Sprachmodelle können identitätsrelevante Signale aus beliebigen Texten extrahieren, effizient Millionen potenzieller Profile durchsuchen und beurteilen, ob zwei Accounts zur selben Person gehören.“ (Simon Lermen et al., <em>Large-Scale Online Deanonymization with LLMs</em>, 2026)</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Mit anderen Worten: Die KI versucht nicht, eine einzelne Information zu finden, sondern viele kleine Hinweise miteinander zu kombinieren.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Onlinebeiträge zum digitalen Fingerabdruck werden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen verraten in ihren Onlinebeiträgen oft mehr über sich, als ihnen bewusst ist. Ein beiläufig erwähnter Arbeitsort, ein spezielles Fachwissen oder eine persönliche Erfahrung können Hinweise liefern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für menschliche Leser wirken solche Details meist unbedeutend. Für ein KI-System hingegen bilden sie ein Muster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Sprachmodell kann beispielsweise erkennen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>berufliche Spezialisierungen</li>



<li>thematische Interessen</li>



<li>geografische Hinweise</li>



<li>sprachliche Eigenheiten</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Informationen werden anschließend mit öffentlich verfügbaren Profilen im Internet verglichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studie beschreibt diesen Prozess so:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Die Kombination aus Sprachmodellen, Websuche und automatisierter Schlussfolgerung ermöglicht eine skalierbare Form der Deanonymisierung.“ (Simon Lermen et al., <em>Large-Scale Online Deanonymization with LLMs</em>, 2026)</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Der entscheidende Unterschied zu früheren Methoden liegt in der Automatisierung. Was früher aufwendige Recherche erforderte, kann nun von KI-Systemen in kurzer Zeit durchgeführt werden.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Das Experiment: Vom Forum zur realen Person</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um ihre Hypothese zu testen, analysierten die Forscher mehrere Datensätze aus bekannten Onlineplattformen. Besonders aufschlussreich war ein Experiment mit der Technologie-Community Hacker News.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein KI-Agent untersuchte dort pseudonyme Beiträge von Nutzern und versuchte anschließend, mögliche reale Personenprofile auf LinkedIn zu identifizieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen Fällen gelang es dem System, plausible Kandidaten zu finden. Dabei spielte selten eine einzelne Information eine entscheidende Rolle. Vielmehr entstand die Identifikation durch die Kombination vieler kleiner Hinweise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autoren ziehen daraus eine klare Schlussfolgerung:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Schutz durch praktische Unauffälligkeit für pseudonyme Nutzer im Internet nicht mehr funktioniert.“ (Simon Lermen et al., <em>Large-Scale Online Deanonymization with LLMs</em>, 2026)</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Der Begriff „praktische Unauffälligkeit“ beschreibt eine lange verbreitete Annahme: Informationen sind zwar öffentlich, bleiben aber unverbunden im riesigen Datenraum des Internets.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Automatisierte Analyse stellt genau diese Annahme zunehmend infrage.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum echte Anonymität im Internet selten ist</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studie beleuchtet nur einen Teil eines größeren Problems. Schon lange vor dem Einsatz moderner KI war echte Anonymität im Internet schwer zu erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jede Internetverbindung hinterlässt technische Spuren. Dazu gehören etwa IP-Adressen, Zeitstempel oder Geräteinformationen. Internetprovider speichern häufig, welcher Anschluss zu einem bestimmten Zeitpunkt eine IP-Adresse genutzt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen Plattformdaten, Tracking-Technologien und soziale Netzwerkeffekte. Auch ohne KI lassen sich dadurch oft Rückschlüsse auf Nutzer ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Künstliche Intelligenz verschärft dieses Problem jedoch, weil sie unterschiedliche Datenspuren systematisch miteinander verknüpfen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autoren formulieren diese Entwicklung so:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die praktische Verschleierung, auf die sich viele pseudonyme Nutzer verlassen, zunehmend erodiert.“ (Simon Lermen et al., <em>Large-Scale Online Deanonymization with LLMs</em>, 2026)</p>
</blockquote>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Macht und Kontrolle über digitale Informationen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig wäre es falsch zu behaupten, Informationen im Internet könnten grundsätzlich nicht entfernt werden. In vielen Fällen lassen sich Inhalte löschen – etwa durch Plattformmoderation, gerichtliche Entscheidungen oder Datenschutzgesetze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Europäischen Union gibt es beispielsweise mit der Datenschutzgrundverordnung einen rechtlichen Anspruch auf Löschung bestimmter personenbezogener Daten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings zeigt die Praxis auch, dass Macht und Ressourcen dabei eine entscheidende Rolle spielen. Große Unternehmen, Regierungen oder vermögende Einzelpersonen verfügen häufig über deutlich mehr Möglichkeiten, Inhalte entfernen oder unsichtbar machen zu lassen als gewöhnliche Nutzer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage nach digitaler Privatsphäre ist daher nicht nur eine technische, sondern auch eine politische.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Automatisierte Recherche verändert die Spielregeln</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der vielleicht wichtigste Aspekt der Studie liegt nicht allein in der Leistungsfähigkeit der KI. Entscheidender ist, dass solche Analysen erstmals <strong>in großem Maßstab automatisiert</strong> werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sprachmodelle können große Mengen unstrukturierter Texte analysieren und daraus Hypothesen über Identitäten ableiten. Damit wird eine Methode skalierbar, die bislang vor allem von spezialisierten Ermittlern oder investigativen Journalisten eingesetzt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Aktivisten, Journalisten oder Whistleblower kann diese Entwicklung erhebliche Risiken bedeuten. Wer sich auf ein Pseudonym verlässt, könnte künftig leichter identifiziert werden.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die eigentliche Lehre der Studie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studie zeigt letztlich weniger das „Ende der Anonymität“ im Internet als eine unbequeme Realität digitaler Kommunikation: Onlinebeiträge bilden über die Zeit hinweg ein zusammenhängendes Datenmuster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein einzelner Kommentar mag harmlos erscheinen. Doch über Jahre hinweg entsteht daraus eine digitale Spur, die analysiert werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit jeder neuen Generation von KI-Systemen wird es einfacher, diese Spuren miteinander zu verbinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Forschung macht deshalb vor allem deutlich, was viele Sicherheitsexperten schon lange betonen: Echte Anonymität im Internet war immer schwierig zu erreichen – und wird im Zeitalter künstlicher Intelligenz noch seltener.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h1 class="wp-block-heading">Quellen</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Simon Lermen et al. (2026) <strong>Large-Scale Online Deanonymization with LLMs</strong> &#8211; Bericht über die Studie im Magazin <em>The Register</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diskussion der Studie auf Hacker News</p>



<p class="wp-block-paragraph">Links:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://arxiv.org/abs/2602.16800">https://arxiv.org/abs/2602.16800</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.theregister.com/2026/02/26/llms_killed_privacy_star">https://www.theregister.com/2026/02/26/llms_killed_privacy_star</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://news.ycombinator.com/item?id=47139716">https://news.ycombinator.com/item?id=47139716</a></p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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			</item>
		<item>
		<title>App-gehängt: Die stille Kybernetisierung der Gesellschaft</title>
		<link>https://kunstundki.de/2025/10/12/app-gehaengt-die-stille-kybernetisierung-der-gesellschaft/</link>
					<comments>https://kunstundki.de/2025/10/12/app-gehaengt-die-stille-kybernetisierung-der-gesellschaft/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Oct 2025 08:16:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum Deutschland und Europa ein Recht auf analoge Teilhabe brauchen – für Selbstbestimmung, Demokratie und Würde: Die Digitalisierung schreitet voran – Verwaltung, Verkehr, Gesundheit, Bildung, Kultur: alles wird „smart“. Doch je digitaler die Welt wird, desto stärker wächst auch die Zahl der Menschen, die sich bewusst oder gezwungenermaßen entziehen. Sie sind nicht „technikfeindlich“, sondern verteidigen [&#8230;]</p>
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<h5 class="wp-block-heading">Warum Deutschland und Europa ein Recht auf analoge Teilhabe brauchen – für Selbstbestimmung, Demokratie und Würde:</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die Digitalisierung schreitet voran – Verwaltung, Verkehr, Gesundheit, Bildung, Kultur: alles wird „smart“. Doch je digitaler die Welt wird, desto stärker wächst auch die Zahl der Menschen, die sich <strong>bewusst oder gezwungenermaßen entziehen</strong>. Sie sind nicht „technikfeindlich“, sondern verteidigen etwas, das zunehmend bedroht scheint: das Recht, <strong>analog zu leben</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele von ihnen fühlen sich inzwischen „app-gehängt“ – ein treffendes Wortspiel für eine Gesellschaft, die digitale Teilhabe zur Pflicht erhebt und analoge Alternativen abbaut.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Deutschland: Vom Digitalversprechen zum Digitalzwang</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Deutschland hat sich die digitale Verwaltung auf die Fahnen geschrieben. Das <strong>Onlinezugangsgesetz (OZG)</strong> verpflichtet Bund und Länder, Verwaltungsleistungen digital anzubieten. Was positiv klingt, entwickelt sich vielerorts zu einer <strong>Einbahnstraße</strong>: immer öfter nur noch online, immer seltener persönlich, telefonisch oder schriftlich.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Datenschutzexperte <strong>Thilo Weichert</strong> warnt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Digital only kann diskriminierend, undemokratisch und unsozial sein.“<br>(taz, 2024)</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Denn ausgeschlossen sind nicht nur Menschen ohne Geld, sondern auch jene, die <strong>Digitales aus Überzeugung meiden</strong>:<br>Menschen, die Datenschutzrisiken fürchten, ältere Bürger:innen, die analoge Kommunikation schätzen, Menschen mit sensorischen Einschränkungen oder psychischen Belastungen, Eltern, die ihre Kinder nicht früh digitalisieren wollen, oder einfach Menschen, die lieber mit einem Menschen sprechen als mit einem Chatbot.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Leena Simon, Netzphilosophin und Mitautorin des Gutachtens <em>„Ein Recht auf analoge Teilhabe – Freiheit vor Digitalzwang“</em>, bringt es auf den Punkt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Diese Menschen haben fast keine Wahl mehr. Terminvereinbarungen bei Behörden oder Fahrkartenkäufe ohne Smartphone sind erschwert oder teurer.“<br>(Deutschlandfunk Kultur, 2024)</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Schulen wächst der Druck. KI-gestütztes Lernen, Tablets, Cloud-Plattformen – alles scheinbar modern. Doch Kinder, die durch Tun und sinnliche Erfahrung lernen, verlieren Erfahrungsräume. Eltern, die dies kritisch sehen, finden kaum noch Alternativen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und während die Verwaltung digitalisiert wird, verschwinden <strong>analoge Bürgerbüros</strong>, <strong>Papierformulare</strong> und <strong>Bargeld-Zahlungen</strong>.<br>Diejenigen, die lieber analog bleiben, geraten in eine stille Form von Diskriminierung – <strong>nicht wegen mangelnder Anpassung, sondern wegen eines anderen Verständnisses von Selbstbestimmung</strong>.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Europa: Digitale Inklusion ohne analoge Freiheit</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der EU wächst die Sorge über die digitale Kluft – die <strong>„digital divide“</strong>.<br>Programme wie der <em>Digital Decade 2030</em> oder der <em>European Accessibility Act</em> wollen den Zugang zu Technologie erleichtern und Barrieren abbauen.<br>Doch was fast nirgends geregelt ist, ist das <strong>Recht auf Nicht-Digitalität</strong>: das Recht, sich Technologien zu entziehen, ohne gesellschaftliche Nachteile zu erleiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade in Frankreich wird heftig darüber gestritten:<br>Ein Bericht des <strong>Sénat (2025)</strong> kritisierte die „dématérialisation“ – die vollständige Digitalisierung staatlicher Verfahren – als „un nouveau mur administratif“. Menschen ohne digitale Kompetenzen oder Geräte würden effektiv von Grundrechten ausgeschlossen.<br>Der <strong>Défenseur des droits</strong> forderte daraufhin, analoge Alternativen gesetzlich zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den nordischen Ländern wiederum wurde erkannt, dass zu viel Digitalisierung die Gesellschaft verletzlich macht:<br>Schweden führte 2021 neue Pflichten für Banken ein, Bargelddienste in allen Regionen bereitzustellen – als Reaktion auf eine Phase, in der viele Geschäfte keine Barzahlung mehr akzeptierten.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Global: Digitale Souveränität versus digitaler Zwang</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Weltweit warnen Institutionen wie die <strong>UNESCO</strong>, <strong>UN-Menschenrechtsrat</strong> und <strong>UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK)</strong> vor digitaler Ausgrenzung.<br>Sie betonen: Zugang zu Informationen und staatlichen Leistungen muss <strong>menschenrechtskonform</strong> sein – also auch <strong>analog möglich</strong>, wenn digitale Systeme unzugänglich oder unzumutbar sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein bemerkenswertes Beispiel liefert <strong>Indien</strong>:<br>Das biometrische Identifikationssystem <em>Aadhaar</em> wurde vom Obersten Gericht 2018 nur unter der Bedingung zugelassen, dass niemand benachteiligt werden darf, der keinen digitalen Zugang hat. Ein klares Signal gegen digitalen Zwang.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Institutionen und NGOs im Einsatz</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Organisationen in Deutschland und Europa setzen sich inzwischen für ein Recht auf analoge Teilhabe ein:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Digitalcourage e. V.</strong> – kämpft für Datenschutz, Freiheitsrechte und gegen Digitalzwang.</li>



<li><strong>Netzwerk Datenschutzexpertise</strong> – erstellt juristische Gutachten zum Recht auf analogen Zugang.</li>



<li><strong>Der Paritätische Gesamtverband</strong> und <strong>Caritas</strong> – warnen vor sozialer Ausgrenzung durch rein digitale Verwaltungswege.</li>



<li><strong>Rosa-Luxemburg-Stiftung</strong> – betont, dass digitale Teilhabe soziale und demokratische Fragen berührt.</li>



<li><strong>European Disability Forum (EDF)</strong> – fordert EU-weit verbindliche Regeln, um Menschen mit Behinderung nicht von digitalen Prozessen auszuschließen.</li>



<li><strong>UNESCO / UNICEF</strong> – mahnen an, dass Digitalisierung Bildung nicht ersetzen darf, sondern ergänzen soll.</li>
</ul>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Nächste Schritte: Ein Plädoyer für Wahlfreiheit</strong></h3>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Gesetzliches Recht auf analoge Teilhabe</strong> in Verwaltung, Gesundheit, Verkehr und Bildung.</li>



<li><strong>Verpflichtende analoge Alternativen</strong> bei digitalen Pflichtdiensten.</li>



<li><strong>Partizipative Entscheidungsprozesse</strong>, in denen Bürger:innen mitgestalten, wie viel Digitalisierung sie wollen.</li>



<li><strong>EU-Initiative „Right to Remain Analog“</strong>, die Wahlfreiheit europaweit schützt.</li>



<li><strong>Kulturelle Neubewertung des Analogen</strong> – nicht als Rückschritt, sondern als Teil menschlicher Vielfalt.</li>
</ol>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Fazit: Das Analoge ist kein Relikt – es ist ein Freiheitsraum</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Digitalisierung ist kein Selbstzweck.<br>Wenn sie Teilhabe nur für jene ermöglicht, die digital bereit sind, dann ist sie kein Fortschritt, sondern eine neue Form der Ausgrenzung.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Freiheit bedeutet auch, Nein sagen zu können –<br>zu Technologien, die uns mehr beherrschen als befreien.“<br>– Leena Simon, Netzphilosophin</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Ein demokratischer Staat muss <strong>beides schützen</strong>:<br>das Recht auf digitale Teilhabe – <strong>und</strong> das Recht, analog zu bleiben.<br>Denn wer keine Wahl mehr hat, ist nicht modernisiert, sondern entmündigt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Quellen </strong></h3>



<ul class="wp-block-list">
<li>Netzwerk Datenschutzexpertise: <em>Ein Recht auf analoge Teilhabe – Freiheit vor Digitalzwang</em> (2024)</li>



<li>Digitalcourage e. V.: <em>Rechtsgutachten zum Digitalzwang</em> (2024)</li>



<li>Deutschlandfunk Kultur: <em>„Analog statt app-gehängt“</em> (Interview mit Leena Simon, 2024)</li>



<li>taz: <em>Leben ohne Smartphone und Computer</em> (Interview mit Thilo Weichert, 2024)</li>



<li>Bundestag: <em>WD-Gutachten zur Zulässigkeit digital-only-Verfahren</em> (2024)</li>



<li>Sénat (Frankreich): <em>Rapport sur la dématérialisation et l’exclusion administrative</em> (2025)</li>



<li>European Disability Forum: <em>Digital Accessibility and Inclusion Report</em> (2024)</li>



<li>UNESCO / UNICEF: <em>Reimagining Education in the Digital Age</em> (2023)</li>



<li>Oberster Gerichtshof Indien: <em>Aadhaar Judgement</em> (2018)</li>
</ul>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<p>Der Beitrag <a href="https://kunstundki.de/2025/10/12/app-gehaengt-die-stille-kybernetisierung-der-gesellschaft/">App-gehängt: Die stille Kybernetisierung der Gesellschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://kunstundki.de">Kunst &amp; KI</a>.</p>
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