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	<title>Texte Archive - Kunst &amp; KI</title>
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	<description>Zwischen Inspiration und Irritation</description>
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	<title>Texte Archive - Kunst &amp; KI</title>
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	<item>
		<title>Nicht die KI arbeitet für mich. Ich arbeite für die KI.</title>
		<link>https://kunstundki.de/2026/07/18/nicht-die-ki-arbeitet-fuer-mich-ich-arbeite-fuer-die-ki/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Jul 2026 09:59:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Agenten]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über den Wandel vom Wissensarbeiter zum Datenarbeiter – jenseits der Produktivitätsversprechen der KI-Branche: „KI steigert die Produktivität.“ „KI übernimmt Routinearbeiten.“ „KI macht Unternehmen effizienter.“ „KI-Agenten erledigen bald den Großteil unserer Arbeit.“ Kaum eine Technologie wurde in den vergangenen Jahren mit ähnlich großen Erwartungen aufgeladen wie generative Künstliche Intelligenz. Wer Vorträge besucht, Studien liest oder auf [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://kunstundki.de/2026/07/18/nicht-die-ki-arbeitet-fuer-mich-ich-arbeite-fuer-die-ki/">Nicht die KI arbeitet für mich. Ich arbeite für die KI.</a> erschien zuerst auf <a href="https://kunstundki.de">Kunst &amp; KI</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading">Über den Wandel vom Wissensarbeiter zum Datenarbeiter – jenseits der Produktivitätsversprechen der KI-Branche:</h5>



<p class="wp-block-paragraph">„KI steigert die Produktivität.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„KI übernimmt Routinearbeiten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„KI macht Unternehmen effizienter.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„KI-Agenten erledigen bald den Großteil unserer Arbeit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaum eine Technologie wurde in den vergangenen Jahren mit ähnlich großen Erwartungen aufgeladen wie generative Künstliche Intelligenz. Wer Vorträge besucht, Studien liest oder auf LinkedIn unterwegs ist, gewinnt schnell den Eindruck, wir stünden kurz vor einer neuen industriellen Revolution. Unternehmen sollen möglichst schnell auf KI setzen. Verwaltungen sollen Prozesse automatisieren. Beschäftigte sollen lernen, effizient mit Prompts zu arbeiten. Wer dabei nicht mithält, gilt schnell als rückständig oder riskiert angeblich seine Wettbewerbsfähigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je häufiger ich diese Aussagen höre, desto größer werden meine Zweifel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht deshalb, weil ich KI grundsätzlich ablehne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern weil meine eigenen Erfahrungen damit immer weniger zu dieser öffentlichen Erzählung passen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe generative KI in den vergangenen Monaten immer wieder bei ganz unterschiedlichen Aufgaben eingesetzt – bei Recherchen, beim Schreiben von Texten, bei Programmierung, Webentwicklung, Gestaltung, Bildgenerierung und vielen anderen Tätigkeiten, die nach allgemeiner Auffassung inzwischen besonders gut automatisierbar sein sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Fazit fällt inzwischen deutlich ernüchternder aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach meiner Erfahrung ist generative KI für anspruchsvolle professionelle Arbeit heute nicht oder nur äußerst eingeschränkt brauchbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Einschätzung beruht nicht auf einem einzelnen schlechten Erlebnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie beruht auf hunderten Stunden praktischer Arbeit.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die eigentliche Geschichte handelt gar nicht von KI</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn heute über KI diskutiert wird, geht es meist um ihre Fähigkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie gut schreibt sie?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie gut programmiert sie?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie gut recherchiert sie?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube inzwischen, dass wir die falschen Fragen stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die eigentliche Geschichte handelt nämlich gar nicht von der KI.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie handelt vom Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genauer gesagt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der Arbeit, die der Mensch zusätzlich leisten muss, damit KI überhaupt zu brauchbaren Ergebnissen kommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn während ständig davon gesprochen wird, welche Arbeiten die KI künftig übernehmen soll, wird erstaunlich selten darüber gesprochen, welche neuen Arbeiten dadurch überhaupt erst entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss Informationen zusammentragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss Aufgaben strukturieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss Prompts formulieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss Zusammenhänge erklären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss Halluzinationen erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss Quellen kontrollieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss Fehler korrigieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss Ergebnisse vergleichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss alles erneut überprüfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wenn durch eine Korrektur an anderer Stelle neue Fehler entstehen, beginnt der gesamte Vorgang von vorn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto deutlicher wurde mir:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht die KI arbeitet für mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich arbeite für die KI.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Wissensarbeiter zum Datenarbeiter</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Früher bestand meine Arbeit darin, Probleme zu lösen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute besteht ein wachsender Teil meiner Arbeit darin, eine KI mit Informationen zu versorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich liefere Daten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erkläre Zusammenhänge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich formuliere Anweisungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strukturiere Aufgaben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich prüfe jedes Ergebnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich korrigiere Fehler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erkläre dieselben Dinge erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beginne nach Kontextverlusten wieder von vorne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit anderen Worten:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich werde zunehmend zum Datenarbeiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der eigentliche fachliche Teil meiner Arbeit tritt dabei immer weiter in den Hintergrund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Statt selbst zu entwerfen, zu programmieren oder zu gestalten, beschäftige ich mich immer häufiger damit, die KI zu steuern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Erstaunliche daran:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für diese zusätzliche Arbeit werde ich nicht bezahlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegenteil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bezahle sogar noch ein monatliches Abonnement dafür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das empfinde ich inzwischen als paradox.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Uns wird erzählt, KI nehme uns Arbeit ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Erfahrung lautet häufig:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erzeugt neue Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur wird diese Arbeit in kaum einer Produktivitätsstudie mitgerechnet.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht der erste Fehler ist das Problem</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich macht jede Software Fehler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich machen auch Menschen Fehler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darum geht es mir gar nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das eigentliche Problem beginnt dort, wo aus einem kleinen Fehler eine Kette neuer Fehler entsteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo eine Korrektur an einer Stelle dazu führt, dass an anderer Stelle etwas kaputtgeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo bereits geklärte Sachverhalte wieder vergessen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo dieselbe Anweisung zum fünften oder sechsten Mal erklärt werden muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das habe ich immer wieder erlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Anweisungen waren häufig erstaunlich einfach.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Bitte das Bild genauso machen wie im Upload.&#8220;</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht ähnlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht verbessert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht neu interpretiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einfach genauso.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ergebnis?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bild sah anders aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Farben waren verändert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elemente fehlten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Elemente waren plötzlich hinzugekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darauf folgte die nächste Anweisung.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Bitte nicht wieder alles komplett ändern.&#8220;</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Oder:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich möchte nur das Hintergrundbild.&#8220;</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wieder wurden gleichzeitig andere Bereiche verändert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Texte tauchten auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Buttons verschwanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abstände änderten sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Layouts wurden umgebaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich schrieb ich irgendwann nur noch:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Nicht quatschen – machen!&#8220;</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht aus Unhöflichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern weil ich längst keine weiteren Erklärungen mehr brauchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich brauchte endlich eine zuverlässige Umsetzung.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Trial and Error ersetzt keine professionelle Arbeitsweise</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann stellte ich fest, dass ich kaum noch an meinem eigentlichen Projekt arbeitete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich arbeitete an den Fehlern der KI.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder genauer:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich arbeitete an den Folgen ihrer Fehler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Änderung wurde umgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dadurch entstanden zwei neue Probleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese wurden korrigiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei verschwand eine bereits funktionierende Lösung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also begann die nächste Korrekturschleife.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus einem eigentlich überschaubaren Arbeitsschritt entwickelte sich ein Trial-and-Error-Prozess ohne erkennbares Ende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer häufiger schrieb ich irgendwann:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich wäre schon dreimal fertig.&#8220;</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Satz entstand nicht aus Frust über einzelne Fehler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er entstand aus der Erkenntnis, dass die eigentliche Arbeit längst nicht mehr darin bestand, mein Projekt voranzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die eigentliche Arbeit bestand darin, bereits Erarbeitetes immer wieder gegen neue Fehler zu verteidigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei fiel mir noch etwas auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein professioneller Kollege verändert nicht bei jeder Korrektur gleichzeitig zehn andere Dinge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er merkt sich grundlegende Projektentscheidungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er entwickelt eine konsistente Linie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er baut auf dem bereits Erarbeiteten auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau diese Verlässlichkeit habe ich bei generativer KI in komplexeren Projekten häufig vermisst.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Ausgerechnet die Arbeiten, die ich abgeben möchte, bleiben beim Menschen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Noch erstaunlicher finde ich einen anderen Widerspruch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Jahren wird versprochen, KI werde uns die lästigen Routinearbeiten abnehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das ist nach meiner Erfahrung häufig nicht der Fall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgerechnet die Tätigkeiten, die ich besonders gern delegieren würde, funktionieren oft überhaupt nicht oder nur in einer Qualität, die professionellen Anforderungen nicht genügt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein vorhandenes Bild exakt übernehmen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fehlanzeige.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Grafik lediglich an einer kleinen Stelle verändern, ohne alles andere neu zu interpretieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fehlanzeige.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Professionell nutzbare SVG-Dateien erzeugen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach meiner Erfahrung derzeit nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Konsistente Icons erstellen, die einem Corporate Design entsprechen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenfalls nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hochauflösende Grafiken für den professionellen Einsatz?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier habe ich bislang keine überzeugenden Ergebnisse erlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei geht es nicht um Perfektion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht um Zuverlässigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich einer Grafikerin einen fertigen Entwurf gebe und sage: „Bitte genau diesen Entwurf übernehmen und nur den Rand ändern“, dann erwarte ich nicht, dass sie Himmel, Farben, Bildaufbau und Gestaltung gleich mit neu erfindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das habe ich bei generativer KI jedoch immer wieder erlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann wurde mir sogar vorgeschlagen, bestimmte Icons einfach selbst zu zeichnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine spontane Reaktion lautete:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Das ist doch ein Witz. Ich soll jetzt die Icons selbst zeichnen?&#8220;</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Genau an diesem Punkt fragte ich mich zum ersten Mal ernsthaft, worin der versprochene Produktivitätsgewinn eigentlich bestehen soll.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn der Chat selbst zum Problem wird</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Aspekt wird erstaunlich selten thematisert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je anspruchsvoller ein Projekt wird, desto länger wird zwangsläufig auch der Chat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfangs ist das kein Problem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegenteil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die KI kennt den bisherigen Verlauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie kennt Entscheidungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie kennt den Projektkontext.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch irgendwann verändert sich etwas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Chat wird immer länger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antworten werden langsamer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusammenhänge scheinen verloren zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits geklärte Entscheidungen werden erneut diskutiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits gelöste Probleme tauchen plötzlich wieder auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erkläre dieselben Dinge erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und irgendwann entsteht fast zwangsläufig der Gedanke:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann beginne ich eben einen neuen Chat.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch genau dort beginnt das nächste Problem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der neue Chat kennt praktisch nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Projektentscheidungen müssen erneut erklärt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Zusammenhänge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Gestaltungsprinzipien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle bisherigen Fehler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle gefundenen Lösungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit anderen Worten:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lange Chats werden irgendwann schwer benutzbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neue Chats beginnen fast wieder bei null.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beides kostet Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beides kostet Konzentration.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und beides taucht in keiner Produktivitätsstatistik auf.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die Produktivität wird falsch gemessen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Genau hier liegt für mich der eigentliche Denkfehler der aktuellen KI-Debatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemessen wird fast immer nur die Zeit, die eine KI für die Erstellung eines Ergebnisses benötigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemessen wird aber kaum die Zeit, die anschließend der Mensch investieren muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Korrekturen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Qualitätskontrollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Nacharbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für neue Prompts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Halluzinationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Kontextverluste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für das erneute Erklären derselben Aufgabe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei entscheidet genau diese Zeit darüber, ob ein Werkzeug produktiv ist oder nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Werkzeug spart nämlich nicht deshalb Zeit, weil es schnell ein erstes Ergebnis erzeugt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es spart Zeit, wenn das endgültige professionelle Ergebnis schneller erreicht wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach meiner Erfahrung wird dieser Unterschied in vielen Diskussionen über KI völlig unterschätzt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Marketing und Wirklichkeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was mich inzwischen am meisten irritiert, ist deshalb nicht die Technik selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern die Erzählung über sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer Vorträge besucht oder Beiträge in sozialen Medien liest, bekommt häufig den Eindruck, die Produktivitätsrevolution habe längst begonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich frage mich inzwischen ernsthaft, ob wir über dieselbe Technologie sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während auf Konferenzen und in Hochglanzpräsentationen enorme Effizienzgewinne versprochen werden, verbringe ich Stunden damit, einer KI dieselbe Aufgabe immer wieder zu erklären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während von Automatisierung gesprochen wird, kontrolliere ich jede einzelne Ausgabe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während behauptet wird, KI übernehme Routinearbeiten, erledige ich genau diese Arbeiten anschließend selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich kann jede neue Technologie Kinderkrankheiten haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darum geht es mir gar nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mich stört vielmehr die enorme Diskrepanz zwischen den öffentlichen Versprechen und meinen praktischen Erfahrungen.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum diese Debatte wichtig ist</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist genau das die eigentliche Gefahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht, dass KI Fehler macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern dass wir beginnen, politische und wirtschaftliche Entscheidungen auf einem Bild von KI aufzubauen, das mit der Realität vieler professioneller Anwender nur begrenzt übereinstimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unternehmen werden unter Druck gesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwaltungen sollen möglichst schnell digitalisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beschäftigte sollen lernen, mit KI zu arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig wird erstaunlich selten gefragt, ob sich der versprochene Produktivitätsgewinn im jeweiligen Arbeitsbereich überhaupt nachweisen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen scheint die Einführung von KI vielerorts bereits als Selbstzweck zu gelten.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Mein Fazit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich werde generative KI selbstverständlich weiterhin beobachten und dort einsetzen, wo sie sich im konkreten Einzelfall tatsächlich als hilfreich erweist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich glaube den pauschalen Produktivitätsversprechen nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu oft habe ich erlebt, dass einfache Aufgaben zu stundenlangen Trial-and-Error-Prozessen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu oft entstanden neue Fehler, während alte beseitigt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu oft gingen Zusammenhänge verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu oft musste ich Projekte praktisch neu beginnen, weil der Kontext nicht mehr vorhanden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem aber hat sich mein Verständnis von KI grundlegend verändert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sehe sie heute nicht mehr als Werkzeug, das mir Arbeit abnimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sehe sie häufig als System, das neue Arbeit erzeugt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht die KI arbeitet für mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich arbeite für die KI.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich liefere Daten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strukturiere Informationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich formuliere Prompts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erkläre Zusammenhänge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich suche Fehler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kontrolliere Ergebnisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich korrigiere Halluzinationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beginne nach Kontextverlusten wieder von vorne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich werde vom Wissensarbeiter zum Datenarbeiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau deshalb stelle ich mir inzwischen eine Frage, die in der öffentlichen Debatte erstaunlich selten gestellt wird:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was wäre, wenn die eigentliche Innovation der generativen KI gar nicht darin besteht, menschliche Arbeit zu automatisieren – sondern darin, eine völlig neue Form menschlicher Arbeit zu schaffen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Solange diese zusätzliche Arbeit unsichtbar bleibt, erscheinen viele Versprechen über Produktivität unvollständig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ehrliche Debatte über KI sollte deshalb nicht nur fragen, was eine KI kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sollte vor allem fragen, <strong>wie viel zusätzliche menschliche Arbeit erforderlich ist, damit aus ihren Ergebnissen überhaupt professionelle Ergebnisse werden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst wenn wir diese Arbeit vollständig mitrechnen, können wir seriös beurteilen, ob generative KI tatsächlich hält, was ihre Befürworter versprechen.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen und weiterführende Hinweise</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>The AI Con.</li>



<li>Stanford Institute for Human-Centered Artificial Intelligence – Veröffentlichungen zu Leistungsfähigkeit, Grenzen und Auswirkungen generativer KI.</li>



<li>NIST – Forschung zu vertrauenswürdigen KI-Systemen und Risikomanagement.</li>



<li>Eigene, über viele Monate dokumentierte Erfahrungen beim Einsatz generativer KI in unterschiedlichen professionellen Arbeitsprozessen.</li>
</ul>



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		<title>KI im Journalismus: Das eigentliche Problem liegt nicht in der Technik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Mar 2026 19:27:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum künstliche Intelligenz eine institutionelle Herausforderung für Redaktionen ist: Die Diskussion über künstliche Intelligenz im Journalismus wird meist technisch geführt. Kann KI Texte schreiben? Wird sie Journalisten ersetzen? Wie zuverlässig sind automatisierte Systeme? Doch diese Fragen greifen zu kurz. Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur, was KI kann, sondern unter welchen institutionellen Bedingungen sie [&#8230;]</p>
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<h5 class="wp-block-heading">Warum künstliche Intelligenz eine institutionelle Herausforderung für Redaktionen ist:</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die Diskussion über künstliche Intelligenz im Journalismus wird meist technisch geführt. Kann KI Texte schreiben? Wird sie Journalisten ersetzen? Wie zuverlässig sind automatisierte Systeme? Doch diese Fragen greifen zu kurz. Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur, <strong>was KI kann</strong>, sondern <strong>unter welchen institutionellen Bedingungen sie eingesetzt wird</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Philosoph und Publizist Dr. Michael Andrick hat diese Debatte kürzlich zugespitzt. In einem Feuilletonbeitrag beim Kulturradio des öffentlich-rechtlichen Senders Deutschlandfunk Kultur formulierte er eine provokante These: Der Einsatz von KI im Journalismus sollte tabu sein. Die Forderung hat viele Journalisten irritiert – und zugleich eine Diskussion ausgelöst, die weit über Technikfragen hinausweist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn hinter Andricks Argument steht eine grundlegendere Sorge: <strong>Was geschieht mit einem Beruf, wenn seine zentrale Tätigkeit – das Denken und Formulieren – zunehmend automatisiert wird?</strong></p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Der Kern von Andricks Kritik</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Andricks Ausgangspunkt ist eine einfache Beobachtung. Journalistische Arbeit besteht nicht nur darin, Informationen zu sammeln, sondern vor allem darin, <strong>sie zu verstehen und sprachlich zu gestalten</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn KI genau diese Schritte übernimmt – etwa das Zusammenfassen von Dokumenten oder das Formulieren eines Textes –, verändert sich die Rolle des Journalisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn wir zentrale geistige Tätigkeiten auslagern, verlieren wir sie auch“, argumentiert Andrick sinngemäß. Seine Sorge lautet, dass der Journalismus Gefahr läuft, seine intellektuelle Grundlage zu untergraben, wenn Maschinen zunehmend die eigentliche Denk- und Schreibarbeit übernehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Journalist würde dann nicht mehr primär denken und formulieren, sondern Maschinenoutput prüfen und redigieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das klingt zunächst wie eine klassische Kulturkritik an neuer Technologie. Doch Andricks Argument berührt eine tiefer liegende Frage: <strong>Was ist eigentlich die unersetzbare Kompetenz des Journalismus?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Maschinen Informationen zusammenstellen und Texte formulieren können, bleibt dann noch ein klarer Unterschied zwischen journalistischer Arbeit und automatisierter Textproduktion?</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Journalismus als Praxis des Denkens</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Andricks Argument richtet sich gegen eine Vorstellung, die in vielen KI-Debatten verbreitet ist: die Idee, Schreiben sei eine rein technische Tätigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Sichtweise ist ein Text lediglich ein Produkt, das möglichst effizient hergestellt werden soll. Ob ein Mensch oder eine Maschine ihn erzeugt, erscheint zweitrangig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch gerade diese Vorstellung weist Andrick zurück. Schreiben sei nicht bloß die letzte Stufe eines Arbeitsprozesses, sondern selbst <strong>ein Denkprozess</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Journalisten kennen diese Erfahrung: Erst im Schreiben klären sich Argumente, entstehen Zusammenhänge und wird sichtbar, welche Informationen wirklich relevant sind.  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Philosoph Michael Andrick formuliert diese Sorge zugespitzt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Wenn wir zentrale geistige Tätigkeiten an Maschinen delegieren, verlieren wir sie auch.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Schreiben ist nicht nur Darstellung, sondern Teil der Erkenntnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn dieser Prozess an KI delegiert wird, könnte der journalistische Beruf seine intellektuelle Substanz verlieren.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gegenargumente: KI als Werkzeug</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig wird Andricks Tabu-Forderung von vielen Medienpraktikern kritisiert. Ihr Einwand lautet: <strong>Journalismus war schon immer technikgestützt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Werkzeuge haben journalistische Arbeit kontinuierlich verändert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schreibmaschine beschleunigte das Schreiben.<br>Das Tonbandgerät erleichterte Interviews.<br>Computer und Internet revolutionierten Recherche und Produktion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaum jemand würde heute ernsthaft fordern, diese Technologien wieder abzuschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Perspektive ist KI schlicht ein weiteres Werkzeug. Sie kann repetitive Aufgaben übernehmen und Journalisten entlasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Redaktionen experimentieren bereits damit, etwa bei der Transkription von Interviews, der Analyse großer Dokumentenmengen oder der automatischen Zusammenfassung von Berichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Medienforscher Charlie Beckett von der London School of Economics formuliert diese Position pragmatisch:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Künstliche Intelligenz wird den Journalismus nicht ersetzen – aber Journalisten, die KI nutzen, werden diejenigen ersetzen, die es nicht tun.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Botschaft lautet: Nicht KI bedroht den Journalismus, sondern der Verzicht auf technologische Innovation.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Automatisierter Journalismus ist kein neues Phänomen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Automatisierte Textproduktion wird im Journalismus bereits seit Jahren eingesetzt. Besonders verbreitet ist sie im sogenannten <strong>Automated Journalism</strong>, etwa bei Sportberichten, Finanzmeldungen oder Wahlresultaten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nachrichtenagentur Associated Press nutzt automatisierte Systeme, um Tausende Unternehmensberichte pro Quartal zu veröffentlichen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Vertreter der Agentur erklärte dazu:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Automatisierung ermöglicht es uns, deutlich mehr Meldungen zu produzieren und Reporter für komplexere Berichterstattung freizumachen.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Perspektive dient Automatisierung nicht dazu, Journalisten zu ersetzen, sondern ihre Arbeit zu erweitern. Befürworter argumentieren entsprechend, dass KI journalistische Qualität sogar verbessern könne. Sie könne große Datenmengen analysieren, umfangreiche Dokumente schneller auswerten und Rechercheprozesse beschleunigen. Gerade im Datenjournalismus eröffnen solche Technologien neue Möglichkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Kritiker weisen darauf hin, dass Effizienzgewinne selten automatisch zu Qualitätsgewinnen führen. Die Geschichte der Medienproduktion zeigt vielmehr ein anderes Muster: Wenn Technologien Arbeit beschleunigen, wird die gewonnene Zeit häufig nicht in tiefere Recherche investiert, sondern in <strong>mehr Output</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade im digitalen Journalismus ist diese Entwicklung deutlich sichtbar. Redaktionen sind vielerorts kleiner geworden, während gleichzeitig der Veröffentlichungsrhythmus schneller geworden ist. Einzelne Journalisten produzieren heute oft deutlich mehr Texte als noch vor wenigen Jahrzehnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Technologische Effizienz führt unter diesen Bedingungen nicht unbedingt zu Entlastung, sondern häufig zu einer <strong>Verdichtung der Arbeit</strong>. Der Medienhistoriker Jay Rosen beschreibt diese Dynamik so:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Jede neue Effizienz im Journalismus wird am Ende vom Bedarf nach noch mehr Inhalt aufgezehrt.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Mit anderen Worten: Effizienz wird selten in Ruhe oder Reflexion übersetzt – sondern in zusätzliche Produktion.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Werkzeuge zu Normen werden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres Problem besteht darin, dass Technologien selten optional bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald eine Redaktion mithilfe von KI effizienter arbeitet, entsteht ein Wettbewerbsdruck für andere Medienhäuser. Wer langsamer produziert oder auf Automatisierung verzichtet, könnte im digitalen Nachrichtenstrom an Sichtbarkeit verlieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit verwandelt sich ein Werkzeug schleichend in eine <strong>neue Norm der Produktion</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entscheidung über den KI-Einsatz wird dann nicht mehr primär journalistisch oder ethisch getroffen, sondern wirtschaftlich.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Eine weitere Gefahr: die Glättung des Diskurses</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Debatte über KI im Journalismus konzentriert sich häufig auf Arbeitsplätze, Effizienz oder redaktionelle Abläufe. Doch damit ist ein möglicher Effekt noch nicht erfasst: <strong>die Veränderung der Sprache selbst</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem Risiko eines Verlusts individueller Denk- und Schreibpraxis könnte KI langfristig auch den öffentlichen Diskurs verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Große Sprachmodelle erzeugen Texte nicht aus eigener Erfahrung oder Überzeugung, sondern aus statistischen Mustern. Sie analysieren, welche Formulierungen häufig zusammen auftreten, und berechnen daraus wahrscheinliche sprachliche Fortsetzungen. Das Ergebnis wirkt oft überraschend kohärent, ausgewogen und professionell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade darin liegt jedoch eine mögliche Gefahr: Solche Systeme tendieren dazu, <strong>sprachliche Mittelwerte</strong> zu reproduzieren. Ungewöhnliche Formulierungen, radikale Perspektiven oder stilistische Eigenheiten werden tendenziell geglättet. Die Sprache wird konsensfähiger, neutraler, berechenbarer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt ein möglicher Rückkopplungseffekt. Sprachmodelle werden mit bereits existierenden Texten trainiert. Wenn künftig immer mehr Texte mithilfe solcher Systeme entstehen, fließen diese wiederum in neue Trainingsdaten ein. Der Diskurs beginnt dann gewissermaßen, sich selbst zu spiegeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Philosoph Byung-Chul Han hat eine ähnliche Dynamik bereits lange vor der aktuellen KI-Debatte beschrieben. In seinen Analysen digitaler Kommunikationsräume argumentiert er, dass diese zur <strong>Nivellierung von Differenz</strong> tendieren. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Die Transparenzgesellschaft ist eine Gesellschaft der Gleichheit“, schreibt Byung-Chul Han. </p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeint ist damit nicht soziale Gleichheit, sondern eine Öffentlichkeit, in der Unterschiede, Fremdheit und Widerspruch zunehmend verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Digitale Öffentlichkeit begünstigt Formen der Kommunikation, die möglichst anschlussfähig, transparent und konfliktarm sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Überträgt man diesen Gedanken auf KI-generierte Sprache, könnte eine neue Form der Harmonisierung entstehen: Der Diskurs wird nicht offen zensiert, sondern <strong>statistisch geglättet</strong>. Unterschiede verschwinden nicht abrupt, sondern verlieren langsam ihre sprachliche Schärfe.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Das Positive glättet den Diskurs“, so Byung-Chul Han treffend.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade für den Journalismus wäre das eine paradoxe Entwicklung. Denn eine lebendige Öffentlichkeit lebt nicht nur von Information, sondern auch von <strong>Reibung, Perspektivvielfalt und sprachlicher Eigenständigkeit</strong>.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die Frage der Autorschaft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Aspekt, der in der Debatte oft unterschätzt wird, betrifft die <strong>Autorschaft journalistischer Texte</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Journalismus lebt von individueller Verantwortung. Ein Artikel trägt den Namen eines Autors, der für seine Aussagen einsteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Texte jedoch teilweise von Maschinen erzeugt werden, wird diese Zuordnung komplizierter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer ist der Autor eines Textes, der von einem Journalisten recherchiert, von einer KI strukturiert und anschließend redigiert wurde?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Philosophin Hannah Arendt schrieb einmal:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Denken und Schreiben sind Tätigkeiten, die Verantwortung erzeugen.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Schreiben zunehmend automatisiert wird, könnte sich auch das Verhältnis zwischen Text und Verantwortung verändern.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die eigentliche Erkenntnis</h2>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Punkt zeigt sich, warum die KI-Debatte im Journalismus nicht allein technisch geführt werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob KI die Qualität des Journalismus verbessert oder schwächt, hängt weniger von der Technologie selbst ab als von den <strong>institutionellen Bedingungen ihres Einsatzes</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die entscheidenden Fragen lauten daher: Wofür wird die durch KI entstehende Effizienz genutzt? Wird sie in Recherche und Qualität investiert oder in Produktionssteigerung? Stabilisiert sie journalistische Arbeit – oder ersetzt sie sie?</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Zwischen Kulturkritik und Technikoptimismus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Debatte um KI im Journalismus bewegt sich damit zwischen zwei Polen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der einen Seite steht eine kulturkritische Position wie die von Michael Andrick, die vor der Aushöhlung geistiger Arbeit warnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der anderen Seite steht ein technikoptimistischer Ansatz, der KI als unvermeidliches Werkzeug betrachtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beide Perspektiven enthalten wichtige Einsichten – und beide greifen allein genommen zu kurz.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die KI-Debatte im Journalismus berührt damit zwei unterschiedliche Risiken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das erste betrifft die Praxis des Schreibens selbst: Wenn Maschinen zentrale Formulierungsarbeit übernehmen, könnten Journalisten jene Denk- und Sprachfähigkeiten weniger trainieren, die ihren Beruf ausmachen – eine Sorge, die Michael Andrick formuliert hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zweite betrifft die Struktur des Diskurses: Wenn immer mehr Texte aus statistischen Sprachmustern entstehen, könnte die öffentliche Sprache selbst homogener, vorsichtiger und berechenbarer werden – eine Entwicklung, die sich mit den Analysen von Byung-Chul Han über digitale Öffentlichkeit verbinden lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beide Risiken weisen letztlich in dieselbe Richtung. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, <strong>was künstliche Intelligenz kann</strong>, sondern <strong>wie Institutionen mit ihr umgehen</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob KI zu besseren Recherchen und stärkerem Journalismus führt – oder zu standardisierter Sprache und wachsendem Produktionsdruck –, entscheidet sich nicht im Algorithmus. Es entscheidet sich in den Redaktionen.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Michael Andrick: „Künstliche Intelligenz im Journalismus – Sollte der Einsatz von KI ein Tabu sein?“ – Beitrag bei Deutschlandfunk Kultur. <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/kuenstliche-intelligenz-im-journalismus-sollte-der-einsatz-von-ki-ein-tabu-sein-100.html">https://www.deutschlandfunkkultur.de/kuenstliche-intelligenz-im-journalismus-sollte-der-einsatz-von-ki-ein-tabu-sein-100.html</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Charlie Beckett: JournalismAI-Projekt, London School of Economics. <a href="https://www.journalismai.info">https://www.journalismai.info</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Associated Press: Einführung automatisierter Unternehmensberichte mit der Software Wordsmith (Automated Insights). <a href="https://www.ap.org/">https://www.ap.org/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jay Rosen: Medienwissenschaftler an der New York University, Analysen zur Transformation des digitalen Journalismus. <a href="https://journalism.nyu.edu/faculty/jay-rosen/">https://journalism.nyu.edu/faculty/jay-rosen/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Berichte über automatisierten Journalismus u. a. bei Nieman Lab (Harvard University) und The Verge. <a href="https://niemanlab.org/">https://niemanlab.org/</a> <a href="https://www.theverge.com/">https://www.theverge.com/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Byung-Chul Han: <em>Transparenzgesellschaft</em>. Berlin: Matthes &amp; Seitz, 2012.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Byung-Chul Han: <em>Psychopolitik: Neoliberalismus und die neuen Machttechniken</em>. S. Fischer, Frankfurt am Main 2014.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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