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	<title>Wetter Archive - Kunst &amp; KI</title>
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	<description>Zwischen Inspiration und Irritation</description>
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	<title>Wetter Archive - Kunst &amp; KI</title>
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		<title>Wenn Algorithmen das Wetter steuern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2025 19:32:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Robock]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein privates Start-up will die Sonne dimmen – mit KI-gesteuertem Klimamanagement, minimaler öffentlicher Kontrolle und maximalem Risiko: Stardust Solutions verfolgt ein Projekt, das den technischen Eingriff ins Erdsystem zum Geschäftsmodell macht: Stratospheric Aerosol Injection (SAI) – das Ausbringen reflektierender Partikel in 15 bis 25 Kilometern Höhe, um einen Teil des Sonnenlichts zurück ins All zu [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading">Ein privates Start-up will die Sonne dimmen – mit KI-gesteuertem Klimamanagement, minimaler öffentlicher Kontrolle und maximalem Risiko:</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Stardust Solutions verfolgt ein Projekt, das den technischen Eingriff ins Erdsystem zum Geschäftsmodell macht: <strong>Stratospheric Aerosol Injection (SAI)</strong> – das Ausbringen reflektierender Partikel in 15 bis 25 Kilometern Höhe, um einen Teil des Sonnenlichts zurück ins All zu lenken und die Erde kurzfristig abzukühlen.<br>Neu ist weniger die Idee als ihre <strong>Kommerzialisierung</strong>: patentierte Partikel, skalierbare Dienste, private Finanzierungsrunden.<br>Seit Oktober 2025 flossen <strong>60 Millionen US-Dollar</strong> an Wachstumskapital – Rekordniveau in einem Feld, das bisher eher von Forschung als von Risikokapital geprägt war.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Was Stardust vorhat – und warum das relevant ist</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Unternehmen präsentiert sich als eine Art „Klimaversicherung“: Wenn Emissionsminderungen nicht schnell genug greifen, soll SAI die Risiken vorübergehend mindern.<br>Laut Recherchen sind <strong>Stratosphärentests ab 2026</strong> geplant. Investoren reichen von Lowercarbon Capital bis Exor.<br>Die öffentliche Kommunikation verspricht <strong>chemisch stabile, ungiftige Materialien</strong> und eine „sichere“ Technologie.<br>Doch unabhängige, begutachtete Daten zur tatsächlichen <strong>Wirkung, Verteilung und Nebenwirkung</strong> dieser Partikel fehlen.<br>Das Magazin <em>Wired</em> bezeichnet Stardust als „rätselhaftes Start-up mit großen Ambitionen“, während die Umweltorganisation <strong>CIEL</strong> von einem „waghalsigen Experiment“ spricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Politisch heikel ist die <strong>Regierungslücke</strong>: Es existiert <strong>kein internationales Regelwerk</strong>, das solche Eingriffe kontrolliert.<br>Der frühere UN-Klimadiplomat <strong>Janos Pasztor</strong>, der Stardust unabhängig berät, warnt seit Jahren:</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Die Menschheit ist nicht bereit, das Klima zu steuern.“</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Klimaforscher <strong>Kevin Anderson</strong> ergänzt:</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Die Vorstellung, wir könnten das Thermostat der Erde feinjustieren, ist eine Illusion von Kontrolle.“<br>(BBC, 2024)</p>
</blockquote>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Der Faktor Künstliche Intelligenz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die zweite Verschiebung betrifft die <strong>Rolle der Künstlichen Intelligenz</strong>.<br>KI ist längst nicht nur ein Werkzeug, sondern der operative Kern künftiger Geoengineering-Systeme.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Vorhersage und Steuerung:</strong><br>In der Wettervorhersage hat KI enorme Fortschritte erzielt. Das System <em>GraphCast</em> von Google DeepMind erstellt Prognosen, die <strong>schneller und oft präziser</strong> sind als klassische Modelle.<br>Solche Systeme könnten SAI-Akteuren helfen, Partikelverteilungen in Echtzeit zu planen oder anzupassen.<br>Doch selbst die Entwickler räumen ein: Bei Extremereignissen und in der Stratosphäre stoßen auch diese Modelle an Grenzen – genau dort, wo Stardust aktiv werden will.</li>



<li><strong>Materialdesign:</strong><br>KI-gestützte Programme analysieren mögliche Partikelmaterialien – etwa Karbonate, Silikate oder Titandioxid – nach Reflexionsgrad, chemischer Stabilität und Lebensdauer.<br>Der Übergang von der Simulation zum Feldversuch bleibt jedoch eine <strong>Black Box</strong>: Ohne offene Daten ist unabhängige Prüfung kaum möglich.</li>



<li><strong>Autonome Ausbringung:</strong><br>Vorgeschlagen werden Drohnen- oder Ballonflotten, deren Routen und Mengen <strong>algorithmisch gesteuert</strong> werden.<br>Damit entstünde ein global wirkendes technisches Regelsystem – entwickelt, betrieben und ausgewertet durch private Akteure.<br>Die entscheidende Frage lautet: Wer überprüft den Code, wer darf eingreifen – und wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schiefläuft?</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die Forscherin <strong>Kate Crawford</strong> bringt es auf den Punkt:</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Künstliche Intelligenz trifft keine moralischen Entscheidungen – aber sie bestimmt zunehmend deren Folgen.“<br>(<em>Atlas of AI</em>, 2021)</p>
</blockquote>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die sechs zentralen Problemfelder</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Entscheidungen im Verborgenen</strong><br>Wenn Algorithmen darüber bestimmen, wie viel Sonnenlicht die Erde erreicht, geraten demokratische Prinzipien an ihre Grenzen.<br>Die <strong>Nationalen Akademien der Wissenschaften</strong> warnen:</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Solartechnische Eingriffe könnten die Temperaturen senken, aber ebenso unbekannte oder schädliche Folgen nach sich ziehen.“</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fehlende internationale Kontrolle</strong><br>Es gibt keine verbindlichen Regeln für Zugang, Überwachung oder Haftung.<br>Das bedeutet: <strong>globale Wirkung – ohne globale Zustimmung.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verzerrte Daten und ungleiche Folgen</strong><br>KI-Systeme basieren auf unvollständigen Datensätzen. Regionen mit schwacher Datenerfassung – meist im globalen Süden – tragen das größte Risiko von Fehlsteuerungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dauerhafte Abhängigkeit</strong><br>Wird die Technik einmal eingesetzt, kann sie nicht einfach gestoppt werden.<br>Der Klimaforscher <strong>Alan Robock</strong> warnt:</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Wenn man mit Geoengineering beginnt, kann man womöglich nie wieder aufhören.“<br>(<em>Nature Geoscience</em>, 2016)</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ablenkung vom Wesentlichen</strong><br>Je mehr Kapital in solche Projekte fließt, desto schwächer wird der politische Druck, Emissionen tatsächlich zu senken.<br>Die vermeintliche „Rettung“ könnte so zum <strong>Alibi für Untätigkeit</strong> werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Macht durch Implementierung</strong><br>Wer die Technologie, den Code und die Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert auch das Klima – und damit ein globales öffentliches Gut.<br>Die Frage nach <strong>technischer Machbarkeit</strong> wird so zur Frage nach <strong>politischer Legitimation</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Governance-Forscher <strong>Frank Biermann</strong> formuliert es so:</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Geoengineering gibt uns die Macht, das Klima zu verändern – aber nicht die Weisheit, mit den Folgen umzugehen.“<br>(<em>Global Governance Journal</em>, 2023)</p>
</blockquote>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Politische Lage: Zwischen Forschung und Versuchung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Staaten – darunter auch die <strong>Schweiz</strong> – fordern die Vereinten Nationen auf, Chancen und Risiken solcher Technologien <strong>systematisch</strong> zu untersuchen.<br>Das Ziel: internationale Leitplanken gegen unkoordinierte Alleingänge.<br>Doch mit jeder neuen Studie wächst auch die Gefahr der <strong>Normalisierung</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Medien wie <em>Axios</em> sprechen bereits von einem „Stimmungswandel“ – was einst als Science-Fiction galt, rückt plötzlich in die politische Mitte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die US-Akademien mahnen dagegen:</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Kein Einsatz ohne Transparenz, öffentliche Debatte und Rechenschaftspflicht.“</p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Was bleibt – und was nötig wäre</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Kein automatisiertes Klima.</strong><br>SAI und KI bilden eine doppelte Unsicherheit. Solange keine internationalen Kontrollmechanismen existieren, darf es keine privat gesteuerten Feldversuche geben.</li>



<li><strong>Emissionsminderung zuerst.</strong><br>Jede Forschung zu solaren Eingriffen gehört in öffentliche, offene Programme – mit transparenter Datenlage und klaren Ausstiegskriterien.</li>



<li><strong>Rechte der Betroffenen sichern.</strong><br>Regionen, die am stärksten betroffen sind, müssen Mitspracherechte erhalten. Ohne sie wird die Stratosphäre zur <strong>Versuchsanlage für wenige</strong>. </li>
</ul>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Die Menschheit ist nicht bereit, das Klima zu steuern.“ — <em>Janos Pasztor</em><br>„Wenn man mit Geoengineering beginnt, kann man womöglich nie wieder aufhören.“ — <em>Alan Robock</em><br>„Künstliche Intelligenz trifft keine moralischen Entscheidungen – aber sie bestimmt zunehmend deren Folgen.“ — <em>Kate Crawford</em><br>„Geoengineering gibt uns die Macht, das Klima zu verändern – aber nicht die Weisheit, mit den Folgen umzugehen.“ — <em>Frank Biermann</em></p>
</blockquote>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Stimmen beschreiben das Spannungsfeld: <strong>technischer Fortschritt, politische Ohnmacht, moralische Verantwortung</strong>.<br>Gerade deshalb gehört ein Projekt wie Stardust unter <strong>öffentliche Aufsicht</strong> – nicht in die Black Box eines Start-ups.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen und Literatur (Auswahl)</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><em>Politico</em> (24.10.2025): „Global cooling startup raises $60 M to test sun-reflecting technology“</li>



<li><em>Wired</em> (22.03.2025): „A Mysterious Startup Is Developing a New Form of Solar Geoengineering“</li>



<li><em>CIEL</em> (12.02.2025): „US-Israeli Start-Up Unveils Reckless Geoengineering Gamble“</li>



<li><em>Axios</em> (03.05.2024): „Veteran climate diplomat to advise geoengineering startup“</li>



<li><em>National Academies of Sciences</em> (2021): „Reflecting Sunlight: Recommendations for Solar Geoengineering Research and Research Governance“</li>



<li><em>DeepMind / Science</em> (2023): „GraphCast: Machine learning for weather forecasting“</li>



<li><em>The Guardian</em> (22.02.2024): „Switzerland calls on UN to explore solar geoengineering“</li>



<li><em>Alan Robock</em> (2016): „The climate effects of geoengineering termination“, <em>Nature Geoscience</em></li>



<li><em>Frank Biermann</em> (2023): „Earth System Governance and the Geoengineering Challenge“, <em>Global Governance Journal</em></li>



<li><em>Kate Crawford</em> (2021): <em>Atlas of AI</em>, Yale University Press</li>
</ol>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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