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	<title>Trainingsdaten Archive - Kunst &amp; KI</title>
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	<description>Zwischen Inspiration und Irritation</description>
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	<title>Trainingsdaten Archive - Kunst &amp; KI</title>
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		<title>Die unsichtbare Vermessung der Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Mar 2026 18:10:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie ein Spiel Millionen Menschen zu Kartografen der Maschinen-Zukunft machte: Als im Sommer 2016 plötzlich Menschenmengen durch Parks, Innenstädte und Wohngebiete zogen, um virtuelle Monster zu jagen, wirkte das wie ein harmloser Hype. Pokémon GO war ein Spiel, ein kulturelles Phänomen, vielleicht auch ein soziales Experiment. Was damals nur wenige wahrnahmen: Die Spieler waren nicht [&#8230;]</p>
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<h5 class="wp-block-heading">Wie ein Spiel Millionen Menschen zu Kartografen der Maschinen-Zukunft machte:</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Als im Sommer 2016 plötzlich Menschenmengen durch Parks, Innenstädte und Wohngebiete zogen, um virtuelle Monster zu jagen, wirkte das wie ein harmloser Hype. Pokémon GO war ein Spiel, ein kulturelles Phänomen, vielleicht auch ein soziales Experiment.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was damals nur wenige wahrnahmen: Die Spieler waren nicht nur Teil eines Trends – sie waren Teil eines Systems.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn während Millionen Menschen auf ihre Smartphones blickten, entstand im Hintergrund etwas ganz anderes – eine der detailliertesten, dynamischsten und für Maschinen nutzbarsten Karten der realen Welt, die es je gegeben hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und diese Karte beginnt jetzt, ihren eigentlichen Zweck zu erfüllen.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Spiel zur Infrastruktur</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Niantic, das Unternehmen hinter Pokémon GO, betont inzwischen selbst, dass es nicht nur ein Spiel entwickelt hat, sondern eine Plattform. In Unternehmensdarstellungen ist von einer „Real-World-AR-Plattform“ die Rede, die es ermöglichen soll, die physische Welt digital abzubilden und für Maschinen nutzbar zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Zentrum steht ein sogenanntes „Visual Positioning System“ (VPS): eine Technologie, die es Maschinen ermöglicht, ihre Position nicht über Satelliten, sondern über visuelle Merkmale zu bestimmen. Statt GPS nutzt sie Bilder – Fassaden, Straßenecken, Denkmäler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ziel ist nicht weniger als ein Perspektivwechsel: weg von abstrakten Koordinaten, hin zu einer visuellen Orientierung. Maschinen sollen Orte nicht nur berechnen, sondern erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das klingt zunächst harmlos. Doch die Voraussetzung dafür ist enorm: Die Welt muss zuvor in einer Qualität erfasst werden, die weit über klassische Karten hinausgeht. Es reicht nicht, Straßen zu kennen. Maschinen müssen wissen, wie Orte aussehen – aus verschiedenen Perspektiven, bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen, aus nächster Nähe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau hier kommt Pokémon GO ins Spiel.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die größte Crowd-Kartierung der Geschichte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Über Jahre hinweg hat das Spiel seine Nutzer dazu animiert, sogenannte AR-Scans durchzuführen. Spieler konnten Pokéstops und Arenen scannen, indem sie mit ihrer Kamera um reale Objekte herumliefen. Als Belohnung gab es kleine Ingame-Vorteile.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was dabei entstand, ist gewaltig: ein Datensatz aus Milliarden von Bildern. Nach Unternehmensangaben wurden über die Jahre hinweg mehr als 30 Milliarden visuelle Aufnahmen aus der Nutzung der Spiele gesammelt – ein Umfang, der weit über klassische Kartierungsprojekte hinausgeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein entscheidender Unterschied: Während Fahrzeuge klassischer Kartendienste vor allem Straßen erfassen, liefern Spieler Perspektiven, die Maschinen sonst kaum bekommen würden – Nahaufnahmen, ungewöhnliche Winkel, Innenhöfe, Parks, Skulpturen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erfassung erfolgt dabei nicht systematisch, sondern verteilt, zufällig und global – genau so, wie Menschen sich durch Räume bewegen. Für maschinelles Lernen ist das ein Vorteil: Die Daten sind vielfältig, realitätsnah und schwer künstlich zu reproduzieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ergebnis ist keine Karte im herkömmlichen Sinn, sondern ein visuelles Gedächtnis der Welt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">„Niemand hat uns dazu gezwungen“ – aber hat jemand es verstanden?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Formal betrachtet ist alles sauber: Die Nutzer haben zugestimmt. Die Scans waren freiwillig. Hinweise existieren in den Nutzungsbedingungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch hier beginnt die eigentliche Kontroverse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn Zustimmung ist nicht gleich Verständnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Spieler dürften kaum darüber nachgedacht haben, dass ihre Bewegungen und Scans Teil eines globalen KI-Trainingsdatensatzes werden könnten. Für sie war es ein Spielmechanismus – eine zusätzliche Aufgabe, vielleicht ein Bonus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beobachter sehen darin eine neue Form digitaler Wertschöpfung: Nutzer tragen zur Entwicklung von KI-Systemen bei, ohne dass dieser Beitrag als Arbeit wahrgenommen oder vergütet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder zugespitzt formuliert: Die Spieler haben nicht nur Pokémon gefangen – sie haben, ohne es zu merken, die Welt für Maschinen vermessen.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Roboter sehen lernen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen verlässt die Technologie den experimentellen Bereich. Unternehmen nutzen genau solche visuellen Modelle, um autonome Systeme zu betreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lieferroboter etwa stehen vor einem grundlegenden Problem: GPS ist in Städten oft ungenau. Gebäude reflektieren Signale, Straßen sind komplex, Wege ändern sich ständig. Klassische Navigation stößt hier an Grenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Visuelle Systeme bieten eine Lösung. Ein Roboter vergleicht seine Kamerabilder mit einer Datenbank und erkennt so, wo er sich befindet – ähnlich wie ein Mensch, der eine bekannte Straße wiedererkennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Genauigkeit kann dabei erstaunlich hoch sein: Niantic selbst spricht von Positionsbestimmungen im Zentimeterbereich, die durch visuelle Abgleiche statt durch Satellitensignale erreicht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was hier entsteht, ist eine neue Form der Orientierung: nicht mehr abstrakt, sondern visuell. Maschinen lernen nicht mehr nur, wo etwas ist – sondern, wie es aussieht.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die neue Kartenschicht der Welt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann diese Entwicklung als eine Art zweite Realität verstehen – eine maschinenlesbare Version der physischen Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Schicht hat Eigenschaften, die klassische Karten nicht besitzen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Sie ist visuell statt nur geometrisch</li>



<li>Sie ist dynamisch und ständig aktualisierbar</li>



<li>Sie ist direkt für KI-Systeme nutzbar</li>



<li>Sie entsteht global und dezentral</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Und sie ist nicht neutral.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn wer diese Daten besitzt oder kontrolliert, hat einen erheblichen Vorteil in Bereichen wie Robotik, Augmented Reality oder autonomer Navigation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Niantic selbst positioniert sich zunehmend als Infrastrukturanbieter. Das Spiel war gewissermaßen nur der Einstieg.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die andere Seite: Dual Use</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Technologien dieser Art sind fast immer doppelt nutzbar. Sie können helfen – und sie können missbraucht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein visuelles Weltmodell kann Lieferroboter effizienter machen, Navigation für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen verbessern und Augmented Reality realistischer gestalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es kann auch Überwachungssysteme präziser machen, autonome Systeme in sensiblen Kontexten unterstützen oder Bewegungsmuster von Menschen indirekt analysierbarer machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Ambivalenz ist nicht neu. Sie ist typisch für grundlegende Technologien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch hier kommt ein zusätzlicher Faktor hinzu: die Herkunft der Daten.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die unsichtbare Arbeit der Vielen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu anderen Datensätzen wurde dieser nicht von spezialisierten Teams oder Maschinen erzeugt, sondern von Millionen Menschen im Alltag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das verändert die ethische Bewertung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn während Nutzer sozialer Netzwerke zumindest ahnen, dass ihre Daten kommerziell genutzt werden, ist die Verbindung zwischen einem Spiel und globaler KI-Infrastruktur deutlich weniger offensichtlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage lautet daher nicht nur: Was wird mit den Daten gemacht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern auch: Wussten die Menschen, woran sie mitarbeiten?</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">„Die reale Welt als Trainingsdatenbank“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein oft zitierter Gedanke in der KI-Forschung lautet, dass Daten das neue Öl seien. Doch dieser Vergleich greift zu kurz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn Öl wird gefördert. Daten hingegen werden erzeugt – oft von Menschen, ohne dass sie wissen, welchen Wert sie dabei schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pokémon GO zeigt exemplarisch, wie diese Erzeugung aussehen kann: spielerisch, freiwillig, scheinbar nebensächlich – und gleichzeitig von enormem Wert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die reale Welt wird dabei zur Trainingsdatenbank. Jeder Spaziergang, jeder Scan, jede Bewegung kann potenziell Teil eines größeren Systems werden.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Paradigmenwechsel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was hier geschieht, ist mehr als nur ein technologischer Fortschritt. Es ist ein Paradigmenwechsel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher haben Menschen Maschinen programmiert.<br>Jetzt trainieren sie sie – oft indirekt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und in vielen Fällen, ohne genau zu wissen, was sie trainieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutet nicht, dass hier bewusst Täuschung stattfindet. Aber es zeigt, wie komplex die Beziehung zwischen Nutzer und Technologie geworden ist – und wie sehr sich Verantwortung verschiebt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Regulierung? Kaum vorhanden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer kritischer Punkt: Die Regulierung hinkt hinterher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während Datenschutzgesetze sich stark auf personenbezogene Daten konzentrieren, bewegen sich visuelle Weltmodelle in einer Grauzone. Ein gescannter Platz ist kein persönliches Datum – zumindest nicht im klassischen Sinne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch in Kombination mit anderen Daten können daraus Systeme entstehen, die sehr wohl Rückschlüsse auf Verhalten, Bewegungen oder Nutzungsmuster erlauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem stellt sich die Frage nach Kontrolle:<br>Wer entscheidet, wie solche Datensätze genutzt werden?<br>Wer hat Zugriff?<br>Und wer trägt Verantwortung bei Missbrauch?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bislang gibt es darauf kaum klare Antworten.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Zwischen Fortschritt und Kontrollverlust</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es wäre zu einfach, diese Entwicklung pauschal zu verurteilen. Die Möglichkeiten sind real und teilweise beeindruckend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch gerade deshalb ist eine kritische Betrachtung notwendig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn je besser Maschinen die Welt verstehen, desto mehr verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen Mensch und Technologie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was heute ein Lieferroboter ist, kann morgen ein komplexeres System sein. Und die Grundlage bleibt dieselbe: Daten über die reale Welt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: Eine stille Transformation</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Pokémon GO war nie nur ein Spiel. Es war ein Werkzeug zur Vermessung der Welt – gebaut von Millionen, genutzt von wenigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die daraus entstehende Infrastruktur wird bleiben. Unsichtbar, allgegenwärtig, kaum reguliert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe dieser Geschichte:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zukunft der Maschinen entsteht nicht in Laboren – sondern im Alltag der Menschen, die sie unbemerkt möglich machen.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen und weiterführende Links</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Netzpiloten:<a href=" https://www.netzpiloten.de/pokemon-go-daten-zum-training-von-robotern-genutzt/"> https://www.netzpiloten.de/pokemon-go-daten-zum-training-von-robotern-genutzt/</a></li>



<li>Decrypt: <a href="https://decrypt.co/361302/pokemon-go-map-world-now-data-training-robots">https://decrypt.co/361302/pokemon-go-map-world-now-data-training-robots</a></li>



<li>Berliner Zeitung: <a href="https://www.berliner-zeitung.de/news/pokemon-go-die-unbezahlte-vermessung-der-welt-durch-smartphone-kameras-li.10024727">https://www.berliner-zeitung.de/news/pokemon-go-die-unbezahlte-vermessung-der-welt-durch-smartphone-kameras-li.10024727</a></li>



<li>GamesRadar: <a href="https://www.gamesradar.com/games/pokemon/with-over-30-billion-images-logged-pokemon-go-is-using-players-activity-to-train-its-spinout-ai-company-to-help-gps-pinpointing-im-very-focused-on-trying-to-re-create-the-real-world/">https://www.gamesradar.com/games/pokemon/with-over-30-billion-images-logged-pokemon-go-is-using-players-activity-to-train-its-spinout-ai-company-to-help-gps-pinpointing-im-very-focused-on-trying-to-re-create-the-real-world/</a></li>



<li>TechSpot: <a href="https://www.techspot.com/news/111690-pokmon-go-ar-data-has-turned-centimeter-accurate.html">https://www.techspot.com/news/111690-pokmon-go-ar-data-has-turned-centimeter-accurate.html</a></li>
</ul>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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		<title>Wenn Quellen nur noch plausibel klingen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Jan 2026 10:55:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Halluzination]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>KI-Halluzinationen, erfundene ISBNs und die neue Verwundbarkeit der Wikipedia: Wikipedia ist eines der wenigen großen Wissensprojekte, das nicht auf institutioneller Autorität, sondern auf Verfahren beruht. Verlässlichkeit entsteht hier nicht durch Expertenstatus, sondern durch Nachvollziehbarkeit: Aussagen müssen belegt, Quellen überprüfbar, Änderungen transparent sein. Dieses Prinzip hat die Enzyklopädie über Jahre widerstandsfähig gemacht – gegen Fehler, Manipulation [&#8230;]</p>
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<h5 class="wp-block-heading">KI-Halluzinationen, erfundene ISBNs und die neue Verwundbarkeit der Wikipedia:</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Wikipedia ist eines der wenigen großen Wissensprojekte, das nicht auf institutioneller Autorität, sondern auf <strong>Verfahren</strong> beruht. Verlässlichkeit entsteht hier nicht durch Expertenstatus, sondern durch Nachvollziehbarkeit: Aussagen müssen belegt, Quellen überprüfbar, Änderungen transparent sein. Dieses Prinzip hat die Enzyklopädie über Jahre widerstandsfähig gemacht – gegen Fehler, Manipulation und politische Einflussnahme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der zunehmenden Nutzung generativer KI gerät dieses Fundament jedoch unter neuen Druck. Nicht, weil Wikipedia plötzlich von Maschinen geschrieben würde, sondern weil <strong>maschinell erzeugte Plausibilität</strong> beginnt, menschliche Überprüfung zu unterlaufen.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Halluzinationen sind kein Ausrutscher</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der KI-Forschung ist der Begriff der Halluzination klar umrissen. In der deutschsprachigen Wikipedia heißt es:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Eine KI-Halluzination ist ein überzeugend formuliertes Resultat, das nicht durch Trainingsdaten gerechtfertigt zu sein scheint und objektiv falsch sein kann.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Definition ist entscheidend, weil sie den Kern des Problems freilegt: Halluzinationen sind <strong>keine Fehlfunktion</strong>, sondern eine systemische Eigenschaft generativer Sprachmodelle. Sie entstehen dort, wo ein Modell sprachlich weiterschreibt, obwohl es faktisch nichts mehr weiß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist kein Randphänomen. Im Gegenteil: Je souveräner ein Text klingt, desto größer ist die Gefahr, dass er <strong>Wissenslücken überdeckt</strong>, statt sie offenzulegen. Genau darin unterscheidet sich KI-Halluzination grundlegend von klassischen Fehlern. Ein Tippfehler irritiert. Eine Halluzination überzeugt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Wenn Quellen erfunden werden</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders problematisch wird das dort, wo KI nicht nur Aussagen formuliert, sondern <strong>Belege simuliert</strong>. In der englischsprachigen Wikipedia wird dieses Muster ausdrücklich benannt. In deutscher Übersetzung heißt es dort:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Erfundene Quellen sind ein zentrales Anzeichen für den Einsatz von KI. KI ist dafür bekannt, halluzinierte Quellen zu erzeugen, darunter gefälschte DOIs oder ISBN-Nummern sowie Verweise auf nicht erreichbare Internetseiten.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Damit wird eine neue Qualität von Fehler beschrieben. Es geht nicht mehr um falsche Interpretation realer Quellen, sondern um <strong>Quellen, die nie existiert haben</strong>. Besonders ISBN-Nummern sind dabei aufschlussreich. Sie folgen festen mathematischen Regeln. Eine falsche ISBN ist kein Graubereich, sondern ein objektiver Bruch mit der Realität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass solche erfundenen Referenzen inzwischen in Wikipedia-Artikeln auftauchen, ist deshalb mehr als ein redaktionelles Ärgernis. Es ist ein <strong>epistemisches Warnsignal</strong>.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Warum Wikipedia besonders anfällig ist</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wikipedia lebt davon, dass Quellen nicht nur genannt, sondern <strong>nachvollzogen</strong> werden können. Diese Architektur funktioniert gut, solange alle Beteiligten dieselbe Grundannahme teilen: dass Quellen reale Ankerpunkte außerhalb des Textes haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">KI-halluzinierte Quellen unterlaufen genau diese Annahme. Sie sehen korrekt aus, sind sauber formatiert, passen thematisch – und führen dennoch ins Leere. Der Text wirkt überprüfbar, ist es aber nicht. Überprüfbarkeit wird <strong>gespielt</strong>, nicht eingelöst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beitrag im offiziellen Blog von Wikimedia Deutschland bringt das nüchtern auf den Punkt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„KI-generierte Wikipedia-Artikel enthalten häufig erfundene Inhalte oder Verweise auf Quellen, die nicht existieren.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Einschätzung ist deshalb so relevant, weil sie nicht von außen kommt. Sie beschreibt ein Problem, das innerhalb der Community erkannt wurde – und das die alltägliche redaktionelle Arbeit zunehmend belastet.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Quantität täuscht, Qualität entscheidet</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Oft wird eingewandt, es handele sich nur um wenige hundert problematische Artikel bei Millionen Einträgen. Doch diese Argumentation verkennt die Tragweite. Entscheidend ist nicht die Zahl der Fälle, sondern die <strong>Art der Verfälschung</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klassischer Vandalismus ist sichtbar. Ideologische Verzerrung lässt sich diskutieren. KI-halluzinierte Inhalte hingegen tarnen sich als Normalität. Sie imitieren wissenschaftliche Sprache, respektieren formale Standards und wirken gerade deshalb glaubwürdig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit verschiebt sich die Fehlererkennung. Sie verlangt nicht mehr nur Sachkenntnis, sondern zunehmend <strong>technische, bibliografische und methodische Kompetenz</strong>. Das erhöht den Aufwand für eine Community, die überwiegend ehrenamtlich arbeitet – und verschärft ein strukturelles Ungleichgewicht zwischen Textproduktion und Textprüfung.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Wikipedia als Frühwarnsystem</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Was sich in der Wikipedia zeigt, ist kein isoliertes Problem. Die Enzyklopädie fungiert vielmehr als <strong>Frühwarnsystem</strong> für eine breitere Entwicklung. In Hochschulen, Bibliotheken und Redaktionen mehren sich Berichte über Arbeiten und Texte mit <strong>frei erfundenen Literaturangaben</strong>, generiert von KI-Systemen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders problematisch ist dabei nicht die Existenz falscher Quellen an sich – die gab es immer –, sondern ihre <strong>Qualität</strong>. Titel klingen plausibel, Autorennamen passen ins Fachgebiet, Publikationsorte wirken seriös. Die Fälschung ist nicht plump, sondern elegant.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein bibliothekarischer Fachbeitrag beschreibt dieses Phänomen als neue Herausforderung wissenschaftlicher Praxis: Fehler werden nicht mehr erkannt, weil sie falsch sind, sondern nur noch, wenn jemand gezielt nachprüft.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Plausibilität als neues Wahrheitsproblem</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Damit verschiebt sich eine Grundkategorie des Wissens. Wahrheit wird nicht mehr primär an Übereinstimmung mit der Realität gemessen, sondern an <strong>sprachlicher Stimmigkeit</strong>. Das ist kein technisches Detail, sondern ein kulturelles Problem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein journalistischer Beitrag einer großen deutschen Wochenzeitung formuliert es zugespitzt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„In der Wikipedia häufen sich Quellen, die es nicht gibt – weil immer öfter die KI, nun ja, ‚hilft‘. Sie bedroht damit das Erfolgsprinzip: menschliche Intelligenz.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Der Satz trifft einen wunden Punkt. Generative KI produziert keine Erkenntnis, sondern Wahrscheinlichkeit. Sie weiß nicht, ob etwas wahr ist – sie weiß nur, ob es <strong>gut klingt</strong>. Wenn diese Unterscheidung im öffentlichen Wissensraum unscharf wird, gerät nicht nur Wikipedia, sondern die Idee überprüfbaren Wissens insgesamt unter Druck.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Gegenmaßnahmen – notwendig, aber begrenzt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wikipedia-Community reagiert mit Richtlinien, Warnhinweisen und technischen Werkzeugen. Es gibt Initiativen zur Überprüfung von ISBNs und DOIs, Diskussionen über Kennzeichnungspflichten für KI-unterstützte Beiträge und Schulungen für neue Autorinnen und Autoren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch all diese Maßnahmen haben Grenzen. Denn das Grundproblem liegt nicht in mangelnder Aufmerksamkeit, sondern in der <strong>Asymmetrie zwischen Textproduktion und Kontrolle</strong>. KI kann in Sekunden Inhalte erzeugen, deren Überprüfung Stunden dauert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solange Sprachmodelle Texte generieren, ohne ihre Aussagen selbst verifizieren zu können, bleibt menschliche Kontrolle unverzichtbar – und zugleich überfordert.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Fazit: Wissen braucht Widerstand</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Debatte um KI und Wikipedia ist keine Technikfrage, sondern eine Wissensfrage. Sie zwingt dazu, neu darüber nachzudenken, was Verlässlichkeit im digitalen Zeitalter bedeutet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Quellen nur noch plausibel klingen, aber nicht mehr existieren, verliert Wissen seine wichtigste Eigenschaft: <strong>Widerstand gegen Überprüfung</strong>. Wahrheit zeigt sich nicht dort, wo Texte glatt sind, sondern dort, wo sie sich überprüfen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wikipedia steht exemplarisch für diese Herausforderung. Die Enzyklopädie wird KI nutzen müssen. Aber sie wird nur dann glaubwürdig bleiben, wenn sie sich nicht von sprachlicher Eleganz blenden lässt – und Plausibilität nicht mit Wahrheit verwechselt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Quellen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">– Wikipedia (deutsch): <em>Halluzination (Künstliche Intelligenz)</em><br>– Wikipedia (englisch): <em>AI-generated content on Wikipedia</em> (Zitate in eigener Übersetzung)<br>– Wikimedia Deutschland Blog: Beiträge zum Einsatz von KI in der Wikipedia<br>– netzpolitik.org: Berichte zu KI-halluzinierten Quellen<br>– Duke University Libraries Blog: <em>ChatGPT and Fake Citations</em><br>– Die Zeit: <em>Als die Wikipedia begann zu halluzinieren</em></p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Wenn Quellen nur noch plausibel klingen" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/u5qkn3r92L0?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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			</item>
		<item>
		<title>Made with AI? – Warum die Gaming-Branche über Transparenz, Kreativität und Macht diskutiert</title>
		<link>https://kunstundki.de/2025/12/05/made-with-ai-warum-die-gaming-branche-ueber-transparenz-kreativitaet-und-macht-diskutiert/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2025 17:19:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[AI]]></category>
		<category><![CDATA[Comminity]]></category>
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		<category><![CDATA[Tim Sweeney]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Streit um KI-Kennzeichnungen entfacht eine Debatte über Offenheit, Urheberrecht und Macht in der Spieleindustrie: Der Einsatz generativer KI in der Spieleentwicklung sorgt derzeit für intensive Diskussionen. Ausgelöst wurde die aktuelle Debatte durch Epic-Games-Chef Tim Sweeney, der öffentlich forderte, die „Made with AI“-Kennzeichnung auf Spieleplattformen wieder abzuschaffen. Seine Begründung: KI werde ohnehin bald in fast [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading">Ein Streit um KI-Kennzeichnungen entfacht eine Debatte über Offenheit, Urheberrecht und Macht in der Spieleindustrie:</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Der Einsatz generativer KI in der Spieleentwicklung sorgt derzeit für intensive Diskussionen. Ausgelöst wurde die aktuelle Debatte durch Epic-Games-Chef Tim Sweeney, der öffentlich forderte, die „Made with AI“-Kennzeichnung auf Spieleplattformen wieder abzuschaffen. Seine Begründung: KI werde ohnehin bald in fast allen Spielen genutzt werden, weshalb entsprechende Hinweise bedeutungslos seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch hinter dieser scheinbar technischen Frage verbirgt sich ein grundlegender Konflikt über Transparenz, kreative Verantwortung und die Macht innerhalb der Branche. Zwischen großen Publishern, unabhängigen Studios und der Community ist eine Debatte entstanden, die weit über die bloße Nutzung neuer Werkzeuge hinausgeht.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Tim Sweeney: „KI wird in fast allen zukünftigen Produktionen eine Rolle spielen“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tim Sweeney spricht sich klar gegen die Kennzeichnungspflicht aus. In einem viel zitierten Beitrag erklärte er:</p>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Das KI-Label ergibt in Spiele-Stores keinen Sinn, da KI in nahezu allen zukünftigen Produktionen eine Rolle spielen wird.“</strong></p>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">In einer weiteren Äußerung kritisierte er die Kennzeichnung sogar als übertrieben:</p>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Warum bei KI aufhören? Wir könnten ja auch offenlegen, welches Shampoo die Entwickler:innen benutzen.“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Sweeney ist KI ein Werkzeug unter vielen — vergleichbar mit Grafiksoftware oder prozeduralen Systemen. Seine Position: Wenn KI ohnehin Standard wird, nimmt eine entsprechende Kennzeichnung keinen Informationswert mehr ein.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">AAA-Studios empfinden ähnlich: KI erleichtert Abläufe, spart Kosten und beschleunigt Produktion. Eine Kennzeichnung erscheint ihnen daher wie eine unnötige bürokratische Hürde.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Kritik aus Entwicklerkreisen: „Verbraucher haben ein Recht zu wissen, was drin ist“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der Indie-Szene und von Künstler:innen kommt deutlicher Widerspruch. Sie argumentieren, dass Transparenz essenziell bleibt — gerade weil KI tief in kreative Prozesse eingreift.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein häufig zitiertes Statement eines Branchenkünstlers fasst diese Sorge prägnant zusammen:</p>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Das ist, als würde man behaupten, Lebensmittel bräuchten keine Zutatenliste. Verbraucher haben ein Recht darauf zu wissen, was sie kaufen.“</strong></p>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Noch schärfer äußerte sich ein anderer Kommentar aus der Community:</p>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Die einzigen, die sich vor Kennzeichnungen fürchten, sind die, die wissen, dass ihr Produkt wenig Aufwand enthält.“</strong></p>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Stimmen zeigen, welche Befürchtungen in der Branche präsent sind:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>KI kann urheberrechtlich geschützte Werke imitieren.</li>



<li>KI-Generierung kann menschliche Arbeit verdrängen.</li>



<li>KI-Grafiken weisen oft typische Artefakte auf.</li>



<li>Studios, die bewusst auf Handarbeit setzen, könnten unsichtbar werden.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele Entwickler:innen ist die Kennzeichnung daher nicht Schikane, sondern Verbraucherschutz.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die Community: „Transparenz ist kein Luxus“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Community wird Sweeneys Vorschlag heftig diskutiert. In Foren und sozialen Netzwerken finden sich zahlreiche kritische Stimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Nutzer kommentierte:</p>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Das nennt man Transparenz, Tim. Probier’s mal aus.“</strong></p>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderer fasste die Sorge vieler Spieler:innen humorvoll, aber deutlich zusammen:</p>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Vielleicht mögen Menschen einfach keinen KI-generierten Müll?“</strong></p>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sorge der Community ist klar:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>KI-Assets wirken oft generisch oder fehlerhaft.</li>



<li>Ohne Kennzeichnung wächst das Misstrauen.</li>



<li>Fans befürchten eine „Verwässerung“ kreativer Vielfalt.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere konkrete Vorfälle haben das verstärkt:<br>In manchen Spielen wurden KI-Porträts oder Artworks entdeckt, die danach entfernt werden mussten — auch weil sie visuelle Fehler aufwiesen oder unerwartet wirkten. Der resultierende Shitstorm zeigte, wie sensibel das Thema bereits ist.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die Grundfrage: Werkzeug oder Ersatz?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Konflikt entzündet sich an der grundlegenden Frage, ob KI lediglich als Werkzeug betrachtet werden sollte, wie Sweeney es formuliert — oder ob sie eine kreative Rolle übernimmt, die eine Kennzeichnung notwendig macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Generative KI unterscheidet sich nämlich erheblich von herkömmlichen Tools:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Sie <strong>erschafft</strong> Inhalte, statt sie nur zu bearbeiten.</li>



<li>Sie basiert auf <strong>Trainingsdaten</strong>, deren Ursprung nicht transparent ist.</li>



<li>Sie kann <strong>Arbeitsprozesse ersetzen</strong>, nicht nur unterstützen.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterschiede machen KI zu einem Sonderfall. Der Ruf nach einer Kennzeichnung ist daher weniger technischer Natur — sondern Ausdruck eines Bedürfnisses nach Kontrolle, Bewusstheit und Respekt gegenüber kreativer Arbeit.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Plattformen im Fokus: Wer entscheidet über Transparenz?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Steam führte die KI-Kennzeichnung ein, um Nutzer:innen klarere Informationen zu liefern und rechtliche Risiken zu minimieren. Epic Games verzichtet darauf — und Sweeney kritisiert Valve für den gegenteiligen Ansatz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit entsteht eine grundlegende Frage:<br>Wer bestimmt eigentlich, wie viel Transparenz notwendig ist?</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Plattformen?</li>



<li>Studios?</li>



<li>Die Gesetzgebung?</li>



<li>Oder die Community?</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Solange keine einheitlichen Standards existieren, droht ein Flickenteppich, bei dem Spielende von Plattform zu Plattform unterschiedlich informiert werden.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Wohin die Entwicklung führen könnte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Drei denkbare Szenarien zeichnen sich ab:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Kennzeichnung bleibt bestehen und wird erweitert.</strong><br>Zum Beispiel differenzierte Labels wie<br><em>„Artworks KI-generiert“</em>,<br><em>„Dialoge teilweise KI-erstellt“</em>,<br><em>„KI sollte Qualitätssicherung unterstützen“</em>.</li>



<li><strong>Kennzeichnung wird abgeschafft.</strong><br>Das entlastet Studios – aber das Vertrauen der Community könnte massiv leiden.</li>



<li><strong>Neue freiwillige Labels entstehen („AI-Free“).</strong><br>Vor allem Indie-Studios könnten damit werben und sich bewusst vom KI-Mainstream abgrenzen.</li>
</ol>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: Ohne Transparenz verliert die Branche mehr als sie gewinnt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tim Sweeney hat recht, wenn er sagt, dass KI in Zukunft nahezu überall im Game-Development vorkommen wird. Doch gerade deshalb ist Transparenz nicht weniger wichtig — sondern entscheidender denn je.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kennzeichnung ist kein Angriff auf die Technologie, sondern ein Zeichen von Respekt gegenüber Spieler:innen und Künstler:innen.<br>Sie ermöglicht informierte Entscheidungen und schützt die Glaubwürdigkeit eines Mediums, dem viele Menschen Leidenschaft, Zeit und Geld widmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage ist daher nicht: <strong>Brauchen wir KI?</strong><br>Sondern: <strong>Wie ehrlich gehen wir mit ihrem Einsatz um?</strong></p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h1 class="wp-block-heading"><strong>Quellenangaben</strong></h1>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sweeney-Zitate:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>PC Gamer: Originalzitate zu Sweeneys Kritik an AI-Labels</li>



<li>T3N: Berichterstattung zum Shampoo-Vergleich</li>



<li>PC Games Hardware / ComputerBase: Einordnung seiner Aussagen</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Entwickler- und Community-Zitate:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Reddit (r/pcmasterrace, r/valve, r/gaming): Öffentliche Nutzerkommentare zur KI-Kennzeichnung</li>



<li>Stellungnahmen von Künstler:innen in Forenbeiträgen zur KI-Debatte</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Allgemeiner Kontext:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>GamePro / GameStar: Berichte zur KI-Debatte in der Gaming-Industrie</li>



<li>GamesRadar: Fallbeispiele zu generativer Kunst und Fanreaktionen</li>
</ul>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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			</item>
		<item>
		<title>GEMA vs. OpenAI: Ein Urteil mit Folgen</title>
		<link>https://kunstundki.de/2025/11/24/gema-vs-openai-ein-urteil-mit-folgen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 15:58:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[GEMA]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Kreativität]]></category>
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		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Urteil]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie die Münchner Richter Memorisierung bewerteten – und was das für KI-Modelle bedeutet: Am 11. November 2025 hat das Landgericht München ein Urteil gefällt, das weit über die neun Songtexte hinausreicht, die im Mittelpunkt der Klage standen. Die GEMA setzte sich gegen OpenAI durch, weil ChatGPT geschützte Liedtexte nahezu wortgleich wiedergeben konnte. Für das Gericht [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading">Wie die Münchner Richter Memorisierung bewerteten – und was das für KI-Modelle bedeutet:</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Am 11. November 2025 hat das Landgericht München ein Urteil gefällt, das weit über die neun Songtexte hinausreicht, die im Mittelpunkt der Klage standen. Die GEMA setzte sich gegen OpenAI durch, weil ChatGPT geschützte Liedtexte nahezu wortgleich wiedergeben konnte. Für das Gericht war dies ein deutliches Indiz dafür, dass die Werke im Modell „festgelegt“ worden waren — also in einer Weise gespeichert, die über reine Mustererkennung hinausgeht. Das Urteil gilt deshalb als Meilenstein: Es klärt erstmals in Deutschland umfassend, wie urheberrechtliche Regeln auf moderne KI-Systeme angewandt werden können.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„OpenAI hätte die Rechte an den eingeklagten Songtexten erwerben müssen.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">So formulierte es das Gericht und stellte damit klar, dass weder das Training eines KI-Modells noch die spätere Ausgabe geschützter Inhalte ohne Lizenz zulässig sind. Diese Entscheidung schafft nicht nur juristische Klarheit, sondern wirft ein Schlaglicht auf ein technisches Grundproblem großer Sprachmodelle: die sogenannte Memorisierung.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Entscheidung im Überblick</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Richter kamen zu der Überzeugung, dass ChatGPT nicht bloß auf abstrakte Weise mit den Liedtexten gearbeitet hatte, sondern dass diese Inhalte im Modell selbst in einer abrufbaren Form vorhanden waren. Denn ChatGPT konnte einzelne Texte bei einfachen Eingaben nahezu originalgetreu ausgeben. Das Gericht sah darin eine klare Verletzung des Urheberrechts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist, dass die Richter Training und Output als zusammenhängenden Vorgang betrachteten: Das Einlesen der Daten sei der Moment der Vervielfältigung, die spätere Ausgabe die Manifestation dieser Speicherung. Das eine sei ohne das andere nicht denkbar. Entsprechend wurde OpenAI zu Unterlassung, Auskunft und Schadensersatz verpflichtet. Eine Klagekomponente wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung wies das Gericht hingegen zurück, was die Bedeutung der urheberrechtlichen Fragen zusätzlich hervorhob.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Technischer Hintergrund: Was ist „Memorisierung“?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Kern des Falls liegt ein technisches Phänomen, das in der KI-Forschung seit Jahren diskutiert wird, aber erst jetzt in den Fokus der juristischen Debatte rückt. Memorisierung bedeutet, dass ein Modell einzelne Passagen aus seinen Trainingsdaten nicht nur statistisch „versteht“, sondern fast wörtlich wiedergeben kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Forschungsarbeiten beschreiben das so:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Wenn ein Modell durch geeignete Eingabe gezwungen werden kann, eine Zielsequenz nahezu unverändert zu generieren, spricht man von Memorisation.“</p>
</blockquote>



<h3 class="wp-block-heading">Warum memorisieren KI-Modelle?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Faktoren begünstigen diesen Effekt. Modelle sehen bestimmte Texte — vor allem populäre Werke wie Liedrefrains — oft sehr häufig. Ihre klare Struktur und Wiederholung erleichtert es ihnen, im neuronalen Netz besonders stabile Muster zu bilden. Je größer das Modell und je länger das Training, desto größer das Risiko, dass es einzelne Textfolgen nicht abstrahiert, sondern quasi „auswendig lernt“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Art des Prompts spielt eine Rolle. Wenn ein Nutzer einen bekannten Satzanfang eintippt, kann ein Modell, das diesen Eingang häufig gesehen hat, fast zwangsläufig die memorisierte Fortsetzung erzeugen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie weist man Memorisierung nach?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der Forschung existieren mehrere Methoden, darunter:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Tests mit reduzierten Prompts,</li>



<li>deterministische Abfragen bei temperature = 0,</li>



<li>Wahrscheinlichkeitsanalysen („Exposure Scores“),</li>



<li>und sogenannte Membership-Inference-Methoden.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">All diese Verfahren zielen darauf ab, herauszufinden, ob ein Modell ein Werk intern „festgelegt“ hat — oder ob es die Ausgabe tatsächlich neu konstruiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für das Gericht war entscheidend: Wenn ein Modell einen urheberrechtlich geschützten Text nahezu unverändert wiedergibt, ist das eine Form der Speicherung — und damit ein urheberrechtlich relevanter Akt.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Folgen des Urteils</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Urteil hat erhebliche Auswirkungen auf die gesamte KI-Branche. KI-Anbieter müssen künftig genauer prüfen, welche Inhalte sie für das Training verwenden und wie sie verhindern, dass Modelle geschützte Werke reproduzieren. Der bisher verbreitete Ansatz, Modelle basierten auf rein statistischen Mustern, reicht nun juristisch nicht mehr aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Anbieter bedeutet das konkret:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Trainingsdaten müssen gründlich kuratiert werden, einschließlich Deduplizierung oft wiederholter Passagen und Filterung geschützter Inhalte.</li>



<li>Technische Maßnahmen gegen Memorisierung werden unverzichtbar, etwa Regularisierungstechniken oder Anti-Memorisation-Lernziele.</li>



<li>Systeme müssen so gestaltet sein, dass der Output keine exakt gespeicherten Werke freisetzt — auch nicht bei „trickreichen“ Prompts.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Für Urheberinnen und Urheber hingegen ist das Urteil ein großer Erfolg. Die Entscheidung stärkt die GEMA und andere Verwertungsgesellschaften und zeigt, dass Rechte auch im Kontext moderner KI durchgesetzt werden können. Sie macht zudem deutlich, dass neue Lizenzmodelle für KI-Training — wie sie von der GEMA bereits angeboten werden — an Bedeutung gewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere Branchen könnten diesem Beispiel folgen: Verlage, Bildagenturen, Filmstudios und Softwarehersteller werden das Urteil genau analysieren. Es dürfte ihnen weitere juristische Grundlagen bieten, um gegen unlizenzierte Nutzung ihrer Werke in KI-Modellen vorzugehen.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Wie es weitergehen kann</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass OpenAI Rechtsmittel einlegt. Ein Berufungsverfahren könnte den Fall bis zum Bundesgerichtshof oder gar zum Europäischen Gerichtshof führen. Damit könnte das Urteil europaweite Wirkung entfalten — möglicherweise mit langfristigen Folgen für alle großen KI-Anbieter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu wird sich der Gesetzgeber stärker mit der Frage beschäftigen müssen, wie KI-Training reguliert werden kann. Das Urteil zeigt, dass Transparenz über Trainingsdaten, klare Lizenzmodelle und definierte technische Pflichten notwendig werden könnten. Der AI Act der EU markiert bereits erste Schritte in diese Richtung, klärt aber nicht alles.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch technisch dürfte sich die Landschaft verändern. Modelle mit Retrieval-Augmented-Generation, die Informationen nicht intern speichern, sondern aus externen lizenzierten Quellen abrufen, könnten an Bedeutung gewinnen. Ebenso werden Forschungsarbeiten zu Memorisierung, Regularisierung, deduplizierten Korpora und Prüfmechanismen eine neue Dringlichkeit erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langfristig deutet vieles darauf hin, dass KI-Systeme in stärker kuratierte, lizenzierte und auditierbare Datenökosysteme eingebettet werden müssen. Für Urheberinnen und Urheber kann dies neue Formen der Beteiligung eröffnen, für KI-Anbieter dagegen höhere Anforderungen an Transparenz und technische Sorgfalt bedeuten.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fazit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Urteil im Fall GEMA vs. OpenAI markiert eine juristische und technologische Zäsur. Es macht deutlich, dass generative KI-Modelle nicht nur abstrakte Muster lernen, sondern konkrete Inhalte speichern können — und dass genau diese Speicherung rechtlich relevant ist. Die technische Tatsache der Memorisierung wird plötzlich zum Kernkriterium dafür, ob ein Modell Urheberrechte verletzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die KI-Branche bedeutet das: mehr Transparenz, mehr Dokumentation, mehr Lizenzen und mehr technische Verantwortung. Für Urheber entsteht die Chance, nicht nur geschützt, sondern am wirtschaftlichen Wert der KI beteiligt zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Offen ist, ob höhere Gerichte oder der europäische Gesetzgeber die Prinzipien dieses Urteils bestätigen oder weiter ausgestalten. Sicher aber ist: Die Frage, ob ein Modell etwas „versteht“ oder „auswendig gelernt“ hat, ist nicht mehr theoretisch — sie entscheidet über die Zukunft der KI-Entwicklung und darüber, wie menschliche Kreativität im digitalen Zeitalter geschützt wird.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Quellen (mit Links)</strong></h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Landgericht München I – Pressemitteilung zum Urteil<br><a href="https://www.justiz.bayern.de/gerichte-und-behoerden/landgericht/muenchen-1/presse/2025/11.php?utm_source=chatgpt.com">https://www.justiz.bayern.de/gerichte-und-behoerden/landgericht/muenchen-1/presse/2025/11.php</a></li>



<li>LTO – Bericht zum Verfahren <a href="https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/42o1413924-lg-muenchen-i-gema-openai-chatgpt-songtexte-ki?utm_source=chatgpt.com">https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/42o1413924-lg-muenchen-i-gema-openai-chatgpt-songtexte-ki</a></li>



<li>GEMA – Stellungnahme <a href="https://www.gema.de/de/w/grundsatzurteil-gema-gegen-openai?utm_source=chatgpt.com">https://www.gema.de/de/w/grundsatzurteil-gema-gegen-openai</a></li>



<li>Forschung zu Memorisierung <a href="https://arxiv.org/html/2505.24832v2?utm_source=chatgpt.com">https://arxiv.org/html/2505.24832v2</a> <a href="https://aclanthology.org/2025.naacl-long.469.pdf">https://aclanthology.org/2025.naacl-long.469.pdf</a> <a href="https://arxiv.org/html/2506.09591v1">https://arxiv.org/html/2506.09591v1</a></li>
</ul>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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